Von der Insel zum Kontinent – wie Peter Wohlleben mit seiner neuen Waldakademie weltweit Wälder schützen will

Vom Boss verdrängt – Peter Wohlleben stand mit seinen Büchern anderthalb Jahre auf Deutschlands Bestseller-Listen und wurden erst Ende 2016 vom Boss höchstpersönlich, von Bruce Springsteens Autobiographie von Platz eins geholt. Der Bucherfolg kam für den Förster aus der Eifel überraschend und hat sein Leben gründlich umgekrempelt. Zwar hat er schon seit vielen Jahren Bücher veröffentlicht, die von Natur- und vor allem Waldliebhabern schon immer gern gelesen wurden, aber diese internationale Beachtung und Anerkennung hat doch ganz andere Auswirkungen. 

Welche das sind und wie sich diese auf die gemeinsamen Projekte von Peter Wohlleben und ForestFinance auswirken, haben wir im Interview erfragt. 

Wie hat sich Ihr Leben nach dem internationalen Erfolg Ihrer Bücher, vor allem nach dem Welterfolg „Das geheime Leben der Bäume“, verändert?

Peter Wohlleben

Bis vor Kurzem waren es zwei Vollzeitjobs, die ich parallel gemacht habe. Dabei wollte ich eigentlich nur einen und ursprünglich nie Bücher schreiben. Dazu hat mich meine Frau überredet, weil die Leute immer wieder nach meinen Waldführungen in Hümmel fragten: „Wo kann ich das  nachlesen?“ Ich habe es lange Zeit abgelehnt, alles aufzuschreiben, aber dann doch mal gemacht und das Manuskript an verschiedene Verlage geschickt. Daraus ist ein bisschen mehr geworden – was grundsätzlich schön ist. Weil es interessanterweise weltweit Menschen anspricht. Offensichtlich wollen sehr viele mit Wald ganz anders umgehen als bisher. Das ist genau das, was ich erreichen wollte, dass Wald weltweit geschützt wird.

Grundsätzlich arbeite ich auch weiterhin als Förster – und das sehr gerne! Aber natürlich musste ich mir die Frage stellen: Was mache ich mit diesem Bucherfolg? Soll dieser, einfach so, für sich stehen? Da er nun aber schon so lange anhält, war es letztendlich eine logische Konsequenz, dass er zu einer großen Veränderung führen musste.

Wie sieht diese Veränderung aus?

Ich habe – zusammen mit zwei Kolleginnen ­– die Waldakademie gegründet. Wir wollen mit der Akademie ganz unterschiedliche Waldprojekte anbieten. So haben wir gerade eine E-Mail von einer holländischen Vereinigung mit 16.000 Leuten bekommen, die in diesem Jahr an Führungen teilnehmen möchte. Das können wir in der Akademie jetzt leisten und grundsätzlich mehr für den Wald bewegen als früher, als Angestellte im Forstrevier der Gemeinde Hümmel.

Ausblick FinalForest, betreut von Peter Wohlleben
Peter Wohlleben betreut den FinalForest, unseren Waldfriedhof in der Eifel.

Peter Wohlleben: Seine neue Waldakademie

Was genau machen Sie in Ihrer neuen Waldakademie?

Wir bieten Seminare und Führungen an und erreichen damit nun noch mehr Waldbesitzer, um sie zu motivieren, ihren Wald anders zu bewirtschaften. Wir wollen aber auch einfach nur Freude bereiten und den Menschen, die meine Bücher gelesen haben, ihr neu erlangtes Wissen im Wald nachvollziehbar machen. Die Waldakademie ist letztendlich eine Mischung aus touristischen und Fortbildungs-Angeboten – und noch etwas mehr: Wir unterstützen einen kleinen Indianer-Stamm in British Columbia, auf Vancouver Island. Deren Wald ist von Abholzung bedroht und da die Kwiakah, Kwäka gesprochen, lediglich 22 Mitglieder haben, können sie ihren Wald nicht retten. Wir wollen ihnen helfen.

Haben Sie bei so vielen neuen Projekten überhaupt noch Zeit, Wälder und Natur zu genießen? 

Das kommt darauf an, wie ich unterwegs bin: privat oder geschäftlich. Geschäftlich bin ich viel international unterwegs und das meistens nicht im Wald, weil es in der Regel um Pressetermine, Fernsehsendungen und ähnliches geht. Da reise ich quasi von Innenstadt zu Innenstadt und sehe vom Wald nichts, was sehr schade ist. Aber bei meiner Arbeit als Förster in der Waldakademie bin ich natürlich viel draußen. Auch das Forsthaus steht im Wald und so brauche ich nur zur Tür hinauszugehen und stehe mittendrin. Ich bin also schon jeden Tag noch in der Natur und das brauche ich auch.

Zitat Peter Wohlleben
– Peter Wohlleben

Unter Buchen ruhen: Der FinalForest

Da Sie nun nicht mehr als Förster bei der Gemeinde Hümmel arbeiten, interessiert uns natürlich, wer sich in Zukunft um die ForestFinance-Projekte WildeBuche und FinalForest – Rest in Trees kümmert, die beide an die Hümmeler Wälder gebunden sind?

Wir von der Akademie sind noch sehr wohl in Hümmel tätig, sowohl beratend als auch für den FinalForest. Und selbst als Förster sind wir noch im Revier tätig und zwar in der Gemeinde Wershofen. Wir haben unseren Standort für die Waldakademie im Übrigen in Hümmel gewählt, weil uns sehr wichtig war, die Projekte mit ForestFinance nicht abreißen zu lassen. Wir können diese jetzt sogar auf ein ganz anderes Level heben, denn die Gemeinde konnte die vielen und wachsenden Anfragen dazu gar nicht mehr bedienen. Mit der Akademie können wir das und sogar noch viel mehr für den Waldschutz tun. Endlich können wir der Kritik: „Hümmel ist nur eine kleine Insel und in den anderen Wäldern leidet die Natur“ begegnen und Wälder überall schützen.

Das beantwortet auch schon unsere Frage, was Sie jetzt als prominenter Wald- und Baumflüsterer ohne Forstrevier machen. Also langweilig wird’s nicht … 

Nein, nein – wir haben immer noch ein Forstrevier, nämlich Wershofen! Und wir betreuen den FinalForest-Wald. Wir sind also nach wie vor in den Wäldern in Hümmel stark präsent. Aber wir können jetzt mit der Waldakademie, als GmbH und Co KG, flexibel Personal aufstocken und weitere Waldbesitzer in der Betreuung übernehmen, was wir vorher nicht konnten. Und deswegen wird aus Hümmel, aus dieser Insel, jetzt hoffentlich irgendwann ein Kontinent.

Waldboden
Fast einzigartig in Deutschland: Der Wald in der Eifel wächst auf Urwald-Boden, der noch nie landwirtschaftlich bearbeitet wurde.

Wir werden oft gefragt, was den FinalForest eigentlich besonders macht. Inwiefern unterscheidet er sich Ihrer Meinung nach von anderen vergleichbaren Projekten wie RuheForst und FriedWald?

Das Konzept im FinalForest ist ein ganz starkes Naturschutzkonzept, weil darin nichts gemacht wird – da herrscht wirklich Ruhe und garantiert keine Waldwirtschaft. Zudem besteht die Möglichkeit, neben diesem wunderschönen, wahrscheinlich 4.000 Jahre alten Buchenwald, der mit Eichen durchsetzt ist, auf Wunsch einen Grabstein aus einheimischer Grauwacke aufzustellen. Das ist für Waldgräber in Deutschland einzigartig!

Wir haben hier oft Anfragen von Kunden, die den FinalForest kennenlernen möchten. Wie geht das am Besten?

Wir von der Waldakademie übernehmen gerne die Waldführungen und Beratungen im Wald. Jeder, der den FinalForest erleben möchte, kann das gern mit mir und uns tun. Die Termine und Anfragen laufen über www.finalforest.de bzw. info@finalforest.de.

Zitat Peter Wohlleben
– Peter Wohlleben

Sie haben für sich einen Baum als letzte Ruhestätte ausgesucht. Was macht Waldgrabstätten für Sie besser als klassische Gräber auf Friedhöfen? 

Für mich sind sie einfach ein schönes Sinnbild für den Kreislauf der Natur. Sie verdeutlichen, dass jeder von uns nur eine begrenzte Zeit auf der Erde und dabei immer auch Bestandteil der Natur ist. Dahin geht jeder zurück –­ auch auf einem klassischen Friedhof. Nur im FinalForest kommt das sehr viel stärker zur Geltung. Wenn man im Tod noch Naturschutz betreiben kann, ist das schon etwas Besonderes, denn normalerweise hört die eigene Aktionsfähigkeit ja spätestens dann auf, wenn man stirbt … Mit Waldfriedhöfen und speziell mit FinalForest ist es aber tatsächlich so, dass jeder selbst nach dem Tod weiter für den Naturschutz wirken kann, indem er mit der Grabstätte Forstwirtschaft blockiert.

Könnten Sie sich weitere gemeinsame Projekte mit ForestFinance vorstellen?

Klar! Wir haben ja schon den FinalForest und die WildeBuche ins Leben gerufen. Und Projekte in diese Richtung kann ich mir jede Menge vorstellen! Dadurch, dass wir mit der Waldakademie auch überregional aktiv werden können, passt das vielleicht noch besser, weil ForestFinance ja global aktiv ist. Ich bin mir sicher, dass sich in Zukunft viele andere Projekte ergeben werden.

Peter Wohlleben & Tobias Wohlleben
Peter Wohlleben & Sohn Tobias Wohlleben, Projektleiter im FinalForest

Was finden Sie an ForestFinance interessant und welche Bedeutung haben ökologische Waldinvestments Ihrer Meinung nach?

Interessant finde ich grundsätzlich den ökologischen Ansatz. Wald wird ja weltweit viel aufgeforstet. Und das ist grundsätzlich ein sehr gutes Investment – auch in konventioneller Art und Weise. Den Unterschied macht vor allem das nachhaltige, umweltfreundliche Management, wie es ForestFinance auszeichnet, aus.

Für mich sind Waldinvestments ein schöner Hebel für den Naturschutz. Und Geld mit Wald zu verdienen – daran ist nichts Anrüchiges. Es wird ja oft ein Gegensatz dargestellt zwischen Waldschutz und -nutzung. Den muss es – zumindest im begrenzten Umfang – gar nicht geben. Wir brauchen Schutzflächen, in die der Mensch sich nicht einmischt – gar keine Frage. Aber die Flächen, auf denen wir Rohstoffe gewinnen, die kann man so schonend nutzen, dass sowohl profitabel gearbeitet als gleichzeitig Naturschutzziele verfolgt werden können. Von daher ist für mich ganz wichtig, dass solche Projekte weiterentwickelt werden.


Wenn Sie Peter Wohlleben hören wollen:
Auf SWR 1 ist er jeden Sonntag um 9:40 Uhr zu hören, zu den Themen Wald, Tiere, Garten, Kräuter und Blumen.Hier geht’s zur Sendung!

Mehr zu FinalForest:
Haben Sie Interesse an einer Führung durch unseren Wald? Hier geht’s zu FinalForest–Rest in Trees

Online Redaktion | janina.mai@forestfinance.de

ist Teil des Kommunikationsteams bei ForestFinance. Sie schreibt gerne über Nachhaltigkeitstrends, Tiere und Grünes im Netz.

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