Vom Urwald bis zum Forst: Waldwissen kompakt

Wald ist nicht gleich Wald: Zwischen einförmiger Monokultur und artenreichem Mischwald liegen Welten und oft eine ganze Menge forstwissenschaftliches Knowhow. Was ein Sekundärwald ist, wann man von einem Urwald spricht und wie viele Bäume eigentlich einen Wald ergeben –  das haben wir hier übersichtlich für Sie zusammengetragen.

Ein artenreicher Mischwald: Die ForestFinance-Finca Los Monos, in Las Lajas, Panama. Foto: ForestFinance

Wald

Zu Beginn klären wir die wichtigste Frage: Wann ist ein Wald überhaupt ein Wald? Reichen zehn beieinander stehende Bäume? Oder vielleicht 20? 100?

Ganz so einfach lässt sich die Frage leider nicht beantworten. Insgesamt über 63 voneinander verschiedene, nationale Definitionen wurden in einem weltweiten Überblick zum Begriff „Wald“ gezählt – allein in juristischen Zusammenhängen. Es lassen sich jedoch  grob vier wichtige

Baum
Ein einzelner Baum macht noch lange keinen Wald! Foto: ForestFinance

Definitionsansätze unterscheiden:

  1. Der juristisch Ansatz: Wald im Sinne dieses Paragrafen 2 des Bundeswaldgesetzes bezeichnet jede „mit Forstpflanzen bestockte Grundfläche“. Allerdings fallen auch sogenannte „Nichtholzböden“ unter die Definition, beispielsweise Waldwege, Lichtungen oder Wildäsungsplätze.
  2. Der ökonomische Ansatz: Hiernach ist Wald eine forstwirtschaftlich genutzte Fläche. Gärten und landwirtschaftlich genutzte Flächen fallen aus dieser Definition heraus, beispielsweise Energieholzplantagen, Weihnachtsbaumkulturen oder Stadtparks und Waldfriedhöfe.
  3. Der ökologische Ansatz: Diese Definition richtet sich nach den Arten, die im Biotop „Wald“ leben und die an waldtypische Standortfaktoren angepasst sind, etwa an wenig Licht, ein bestimmtes Waldinnenklima und die Beschaffenheit der Böden. Die Definition schließt oft große Flächen ein, denn sie muss das Minimalareal der Arten gewährleisten, die darin leben.
  4. Der vegetationsstrukturelle Ansatz: Hier geht es wirklich um die Anzahl der Bäume. Nach diesem Ansatz dürfen Wälder einen bestimmten definierten Schwellenwert an Bäumen pro Flächeneinheit nicht unterschreiten. Die FAO beispielsweise bezeichnet Landflächen mit einem Mindestanteil an Baumkronenfläche von zehn Prozent auf einer Fläche von mindestens 0,5 Hektar als Wald.

 

Weitere bekannte und (waldwirtschaftlich) bedeutsame Definitionen finden Sie hier.

Urwald und Primärwald

Wir bleiben noch etwas bei den Anfängen. Urwald wird im alltäglichen Sprachgebrauch oft synonym zu Regenwald verwendet, obwohl die Begriffe durchaus Unterschiedliches meinen. Urwald bezeichnet nämlich, ganz unabhängig von Region und Klimazone, schlicht natürlichen, ursprünglichen Wald, der ohne menschliche Eingriffe und Einflüsse wächst und gedeiht. Da jene Wälder „zuerst“ da waren und weder gepflanzt noch sonst in ihrem ökologischen Gedeihen gestört oder verändert wurden, nennt man sie auch Primärwälder. Weltweit sind laut der (besonders strengen) IFL (Intact forest landscapes)-Definition nur noch 21 Prozent der Wälder der Erde unberührte Ur- beziehungsweise Primärwälder.

Einer der letzten Urwälder in Europa: Der Białowieża Nationalpark in Polen. Foto: Frank Vassen

Sekundärwald

Ein Sekundärwald wächst ebenfalls ohne menschliches Zutun – allerdings nachdem ein Primärwald durch Menschen abgeholzt oder anderweitig zerstört wurde. Es ist die erste Generation, die sich auf der Fläche eines ehemaligen Waldes wieder traut zu wachsen. Auf die erste Sekundärvegetation folgt irgendwann der Sekundärwald – lässt man ihn lang genug in Ruhe, so können irgendwann auch Arten aus Primärwäldern wieder in den anfangs kargen Sekundärwald überwandern. In tropischen Gebieten gibt es durch den dort traditionellen Wanderfeldbau einen großen Anteil an Sekundärwald.

Forst

Früher bezeichnete der Begriff Forst einen königlichen Wald, oder einen Bannwald. Heute beschreibt er ganz allgemein bewirtschaftete Wälder. Die begriffliche Trennlinie zwischen Wald und Forst ist, wie wir gesehen haben, oft unklar und hat sich in den letzten Jahrhunderten oft gewandelt: Mal werden die Begriffe Wald und Forst  ausschließend verwendet, mal kommt es auf die Art und Weise der Bewirtschaftung an. So darf sich ein naturnaher Mischforst nach Ansicht einiger Wald nennen, für andere gibt es nur (Primär-)wälder oder Forste – eine Definition, die für den Naturschutz allerdings keinen großen Nutzen hat, da der Anteil an „echten“ (und erhaltenswerten) Wäldern verschwinden gering wäre.

Nutzwald und Wirtschaftswald

Hier ist die Definition schon eindeutiger: Diese Begriffe bezeichnen einen Wald, der forstwirtschaftlich genutzt und dem regelmäßig Holz zur Nutzung entnommen wird. Neben der regelmäßigen Entnahme von Holz spielen auch andere Eingriffe in die Flora und Fauna eine Rolle: Zum Beispiels durch gezielte Anpflanzung oder Herausnahme bestimmter Baumarten oder die Veränderung der Alterszusammensetzung der Bäume. Durch eine naturnahe Bewirtschaftung, die sich an den natürlichen, lokalen Strukturen des Waldes orientiert, kann eine Bewirtschaftung nicht nur sehr schonend durchgeführt werden, sondern dem Schutz des Waldes auch dienlich sein.

Aus einem Nutzwald wird regelmäßig Holz entnommen. Am besten geschieht das nachhaltig: Ohne Kahlschlag und unter Berücksichtigung des Standortes. Auf dem Foto sehen Sie nachhaltig geerntetes Cedro Espino Holz. Foto: ForestFinance

Monokultur

Das Gegenteil einer solchen naturnahen Bewirtschaftung ist die Monokultur. Hier wird eine Fläche über mehrere Jahre hinweg nur mit einer Baumart bepflanzt. Die Folge: Die Böden werden durch die einseitige Nährstoffzufuhr ausgelaugt, durch ein Überangebot an bestimmter Nahrung vermehren sich nur bestimmte Arten (beispielsweise Schädlinge, wie der Borkenkäfer in deutschen Fichtenmonokulturen) und auch Wetterphänomenen wie Stürmen und Unwettern ist der immergleiche Forst wortwörtlich nicht gewachsen. Nachhaltige Waldwirtschaft sieht anders aus.

Zum Vergleich: Fichtenmonokultur in Deutschland vs. artenreicher Mischwald in Panama. Fotos: Links: Jacopo Werther, Rechts: ForestFinance, Katrin Spanke

Mischwald

Alle natürlichen Urwälder und Primärwälder sind Mischwälder: Hier wachsen verschiedene Baumarten in einem Wald zusammen. Ein Mischwald muss aus mindestens zwei verschiedenen Baumarten bestehen und die „Beimischung“ muss mindestens fünf Prozent der gesamten Fläche betragen – das sagt zumindest die Forstwissenschaft.  Ökologisch betrachtet spricht man dann von einem Mischwald, wenn von jeder Baumart genügend Bäume vorhanden sind, um das Waldökosystem artspezifisch zu beeinflussen. Mischwälder haben nicht nur ökologische, sondern auch wirtschaftliche Vorteile gegenüber Monokulturen: Sie zeichnen sich durch eine höhere Bestandssicherheit gegenüber Stürmen, Unwettern, Feuer oder Schädlingen und Krankheiten aus, weisen insgesamt eine deutlich höhere Biodiversität auf, regulieren den Wasserhaushalt im Boden, schützen vor Erosion und bieten eine bessere Durchwurzelung des Bodens.

Agroforstwirtschaft

In der Agroforstwirtschaft werden Teilbereiche der Landwirtschaft und Forstwirtschaft miteinander kombiniert. Man unterscheidet in der Forstwirtschaft zwischen sogenannten silvoarablen Systemen (Aufforstung kombiniert mit Ackerbau) und silvopastoralen Systemen (Aufforstung kombiniert mit Tierhaltung). Der ForestFinance-Kakaowald in Peru ist so ein silvoarables Agroforstsystem, ein Mischwald aus landwirtschaftlichen Nutzpflanzen und mehrjährigen Hölzern.

So kann Agroforst aussehen: Nutzholz, Bananen und Kakaobäume wachsen auf der ForestFinance Finca Quebrada Limon friedlich beisammen. Foto: ForestFinance

In unserem neuen Glossar finden Sie noch viele weitere Begriffe rund um Wald und Forstwirtschaft erklärt!

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