Shinrin Yoku – Waldbaden, der neue alte Trend

„Waldbaden“ wird immer häufiger in deutschen Medien zum Thema, als hübsche grüne Geschichte zwischen zahlreichen nüchternen Meldungen, gerne gespickt mit etwas Medizin, um den trendigen, sattgrünen Artikeln etwas Wissenschaftliches und Ernsthaftes zu verleihen. In der Tat stammt „Waldbaden“ aus einem Land, das wir weniger mit Natur und Wildnis, denn mit Industrie und High-Tech verbinden – aus Japan. Hier wurden ausgeklügelte Regeln entwickelt, um die Ruhe der Wälder auf Menschen und ihre kränkelnden, gehetzten Seelen wirken zu lassen.

Deutschlands erstes Waldbadezimmer steht im Schwarzwald, auf dem Sommerberg, bei Bad Wildbad. Foto: Christine Sommer-Guist
Deutschlands erstes „Waldbadezimmer“ steht im Schwarzwald, auf dem Sommerberg, bei Bad Wildbad. Das dortige Tourismusbüro vermittelt geführte Waldbaden-Ausflüge. Foto: Christine Sommer-Guist

Waldbaden wurde in Japan mit Beginn der 1980er Jahre als „Shinrin Yoku“ beliebt. Immer mehr Menschen suchten die Nähe und Entspannung im Wald. ForscherInnen wiesen schnell nach, dass der Einfluss des Waldes auf die Gesundheit des Menschen positive Effekte hat und so wurden in den letzten Jahrzehnten in Japan mehr als 60 Waldtherapiezentren aufgebaut und zu einem wesentlichen Teil der medizinischen Grundversorgung in Japan.

Dabei sind für den therapeutischen Effekt keine sportlichen Betätigungen notwendig. Ein gemütlicher Spaziergang im Wald genügt um sich rundherum wohl zu fühlen – idealerweise kombiniert mit den zehn Regeln des Shinrin Yoku:

10 Regeln aus Fernost für ein Bad im Wald

1. Schlendern:

Langsam und gemütlich durch den Wald spazieren, ohne sich ein Ziel zu setzen, eine Strecke festzulegen oder sich ein zeitliches Limit zu setzen.

2. Pausen machen und ausruhen:

Und das bevor es zu Müdigkeit und Erschöpfung kommt. Einfach immer wieder auf dem Waldspaziergang innehalten und „die Seele nachkommen lassen“.

3. Aufmerksam und entspannt wahrnehmen:

Alle Sinne öffnen und erleben, was ringsherum passiert – und das ohne Leistungsdruck oder Aufgaben, wie etwa Vogelstimmen erkennen, Insekten zählen oder Baumarten bestimmen. Einfach Formen, Farben, Gerüche, Geräusche und das Licht genießen.

5. Sanft bewegen:

Wer mag kann – ohne Wetteifer – über Stämme balancieren, Baumstümpfe hüpfen oder leichte Turn- oder Yoga-Übungen im Wald machen. So gelangt mehr Sauerstoff in den Körper.

7. Augenentspannung:

Den Blick ins Grün und in die Ferne schweifen lassen – das entlastet vom Blick auf Monitore und Displays.

4. Ausprobieren – Wald zum Anfassen:

Mit wachem Blick durch den Wald gehen und neue Perspektiven einnehmen – vielleicht einfach mal aufs Moos legen und das Rauschen des Windes von unten hören, oder Gräser flechten, mit Steinen, Eicheln, Bucheckern ein Mandala legen, einen schönen Spaziergang suchen und finden.

6. Achtsamkeit:

Idealerweise konzertiert man sich beim Waldbaden auf den Augenblick, schenkt die ganze Aufmerksamkeit dem Moment, staunt vorbehaltlos, genießt die waldige Umgebung.

9. Meditation:

Atmen Sie tief und ruhig ein und aus, sammeln Sie sich und kommen Sie zur Ruhe.

8. Atemübungen:

Setzen Sie sich an einen ruhigen Platz, der Ihnen gefällt, und beobachten Sie Ihren Atem.

10. Stille:

Genießen Sie Ihr Waldbad alleine – ohne Menschen, Musik und Ablenkungen. Die Stille wird Ihnen helfen, Ihre innere Ruhe zu finden.

(Quellen: Schild im Schwarzwald, zum Waldbadezimmer in Bad Wildbad, Zeit Online Wissen 3/2018)

Waldbaden macht gesund

Immer mehr Studien belegen, dass ein Aufenthalt im Wald Angstzustände und sogar Depressionen verringern kann. Der Wald soll den Blutdruck senken, Stresshormone abbauen, die Vitalität steigern, das Immunsystem stärken und das alles dank der sogenannten Terpene. Das sind Botenstoffe der Bäume, die bereits nach wenigen Stunden unsere Zellen so aktivieren sollen, dass sie in unserem Körper Erreger und Krankheiten bekämpfen. Die Redakteure von Spiegel online gingen im Juni 2019 dem Thema nach und waren nach Tagen im Wald bereit für Alliterationen und die Erkenntnis: „Wer seinen Blutdruck senken und Stresshormone in den Griff kriegen will, sollte ab und zu im Wald „baden“. Den Film, den sie dazu in Berlin gedreht haben nannten sie „Heilung mit Baum, Blatt und Borke“.

Gesunde, artenreiche Wälder sind nicht nur für die darin lebenden Tiere wertvoll. Foto: Tina-Rataj-Berard/Unsplash
Gesunde, artenreiche Wälder sind nicht nur für die darin lebenden Tiere wertvoll.
Foto: Tina-Rataj-Berard/Unsplash

Hanns Hatt, Geruchs- und Geschmacksforscher an der Universität Bochum, zeigt sich im Magazin Zeit skeptisch, ob es die richtige Dosis Wald für die Gesundheit geben kann. Seiner Meinung nach ist die Konzentration der Duft- und Botenstoffe der Bäume zu gering, um einen physiologischen oder gar pharmakologischen Effekt zu erzeugen: „Die Duftmengen sind ja nur minimal. Ich müsste tagelang im Wald spazieren, damit die Menge ausreicht.“ Aber auch er glaubt an die positiven Effekte von Waldbaden, auch wenn es nicht die Düfte oder Terpene sind, die gut tun, sondern das ganzheitliche Erlebnis: „Die meisten Menschen erinnern sich an schöne Walderlebnisse: an einen Spaziergang, als sie wahnsinnig verliebt waren. Oder ans Pilzesammeln mit der Großmutter. Die Konditionierung durch Wald ist fast immer positiv. Unsere Erfahrung ist: Im Wald ist es schön, er tut mir gut.“

… Wald-Machen ist besser

Diese Einstellung unterstützen wir von ForestFinance seit Jahren und Jahrzehnten und freuen uns sehr über den Trend zum Waldbaden. Er kann – hoffentlich – zu mehr Wertschätzung dieses kostbaren Ökosystems führen und dadurch zu einer höheren Bereitschaft, Wälder zu schützen. Wir engagieren uns sowohl in Deutschland als auch in den Tropen für den Schutz von Wäldern. In der Eifel können Sie mit Grabstätten oder ganzen Gedenkhainen im Waldfriedhof „Rest in Trees“ einen kostbaren, fast einzigartigen uralten Buchen-  und Eichenwald schützen. In Panama können Sie mit unserem SchutzWald einen alten Regenwald schützen – und wenn Sie Wälder für die Zukunft machen wollen: Mit allen unseren Waldinvestments schaffen Sie neue Lebensräume für viele Lebewesen – und viel Raum für Waldgenießer und -badende.

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betreut seit 2008 das Kundenmagazin ForestFinest und sämtliche Printprodukte als Redakteurin und Autorin. Sie schreibt am liebsten über nachhaltig Gutes, das sich für Mensch und Umwelt rechnet.

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