Umweltwissen 2.0 – Smartphone-Abenteuer in Wald und Feld

Natur-Apps für Klein und Groß

Wenn man einigen Medien glaubt, dann steht es schlecht um die Jugend von heute: viereckige Augen, Smombie-Attitüde (der etwas holprige Neologismus aus Smartphone und Zombie) und keine Ahnung von heimischer Flora und Fauna. Ähnlich schlimme Urteile werden auch schon über ältere Generationen gefällt. Meistens gibt es nur zwei Optionen für die Freizeitgestaltung: Zuhause sitzen und mit Playstation oder Facebook abschalten, oder raus gehen in die „echte“ Natur – inklusive Baumklettern und aufgeschürftem Knie.

Smartphones sind mittlerweile spannende Begleiter auf Erkundungstouren durch die Natur. Foto: Kelsey Annvere

Was in solchen schwarzmalerischen Aussagen oft besonders unterstrichen wird: Technik und Natur, das stehe sich konkurrierend gegenüber. Dieser Gegensatz ist natürlich Quatsch, denn neue Technologien sind auch in Sachen Umweltpädagogik und Naturerleben weit vorne mit dabei. Digitale Entwicklungen beeinflussen unsere Art zu Lernen: Was früher im dicken Wälzer nachgeschlagen wurde, wird heute oft schnell und unterwegs auf dem Smartphone geprüft.

Raus in die Natur, viel dabei lernen – und das alles mit dem Smartphone in der Hand! Wir haben die Top-Naturführer- und Draußen-Apps für Groß und Klein getestet.

Die Waldfibel

Fast schon ein Klassiker unter den Naturführer-Apps: Die Waldfibel des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft gibt es als Broschüre (zum Download) oder als App fürs Smartphone oder Tablet. Bei einem interaktiven Waldspaziergang können damit einzelne Baumarten bestimmt oder sogar die Höhe eines Baumes gemessen werden. Mit dem Waldwissen-Quiz kann das neu erworbene Wissen anschließened direkt getestet werden. Mit mehr als 40.000 Downloads ist die kostenlose Waldfibel-App ganz vorn mit dabei und besticht außerdem durch liebevolles Design.

Waldfibel
Die Waldfibel ist erhältlich für Android oder iOs. Screenshots: ForestFinance

Der Grüne Schatz

Biodiversität erleben mit ortsbezogenen Spielen – das ist die Aufgabe der Initiative Finde Vielfalt. Im Rahmen des Projekts wurden bereits einige Spielkonzepte entwickelt und umgesetzt: Das Geogame „Der Grüne Schatz“ ist eines davon. Es ist ein mobiles Fotosammelspiel für Familien mit Kindern im Alter von sechs bis zwölf Jahren. Ziel des Spiels ist es, Pflanzen mit besonderen Eigenschaften zu suchen und diese fotografisch zu sammeln. Die Eigenschaften der Pflanzen haben je nachdem verschieden hohe Werte, bei beispielsweise Essbarkeit, Heilwirkung oder Ästhetik und weisen bewusst Parallelen zu im Naturschutz diskutierten Kriterien auf. Ein Sonderspieleditor erlaubt es, das Spiel (etwa die Pflanzenarten und die Schatzkarten) der Umgebung entsprechend anzupassen, der Fokus liegt stets auf der lokalen Biodiversität. „Der Grüne Schatz“ lässt sich deutschlandweit während eines Spaziergangs spielen und dauert etwa eine Stunde. Technisch gesehen handelt es sich zwar nicht um eine App, aber das Spiel lässt sich bequem online im Browser spielen. Hier geht es zum Spiel.

Finde Vielfalt
Das Projekt Finde Vielfalt beschäftigt sich vor allem mit lokaler Biodiversität. Screenshot: ForestFinance

Bienen-App

Bienen sind wichtig für Vielfalt in der Natur und auf unseren Tellern, denn sie bestäuben die allermeisten Wild- und Kulturpflanzen und verhelfen ihnen zu ihren Früchten. Leider summen immer weniger dieser wertvollen Insekten um uns herum. Die Bienen-App, ebenfalls entwickelt vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, versucht dem etwas entgegenzusetzen. Eine umfangreiche Liste bienenfreundlicher Pflanzen soll dazu anregen, eben jene zu pflanzen. Die neu erlernten Informationen über Honigbienen, Wespen und Honigproduktion können direkt in einem kleinen kindgerechten Quiz überprüft werden. Auch hier präsentiert sich die App mit viel Liebe zum Detail. Kostenlos erhältlich für Android und iOs.

Die Bienen-App liefert einen guten Einblick in die Welt der Bienen. Screenshots: ForestFinance

Welcher Baum ist das?

Hier verbindet sich quasi Neues mit Altem – die App gehört nämlich zu einem Buch. Die Neuauflage von „Welcher Baum ist das?“ erscheint im Kosmos Verlag und enthält die digitale Erweiterung Kosmos-Plus, welche weitere Inhalte bereitstellt. Das Buch kommt als handliches Taschenbuch für unterwegs daher und hat es in sich: Über 350 in Europa heimische Bäume und Sträucher können mit den praktischen Farbcodes, zahlreichen Abbildungen, und vielen Kurzinformationen zugeordnet werden. Leider lässt die auf dem Cover angekündigte digitale Weiterleitung eher zu wünschen übrig: Statt das Angebot hier inhaltlich weiterzuführen enthält die App lediglich Videos, die die Handhabung des Buchs erklären – völlig überflüssig, wie wir finden.

Ein gelungenes Buch, eine überflüssige App: Umständliche Bedienung inklusive. Fotos & Screenshot: ForestFinance

PlantSnapp und Pl@ntNet

„Der Botaniker in der Tasche“ – so lautet das Motto von PlantSnapp. Wer kennt das nicht – dieser eine blühende Busch in Nachbars Garten, von dem niemand weiß, wie er heißt? Ganz nachdem Shazam-Prinzip (eine App die über das Smartphone-Mikrofon Lieder erkennt) können mit der App PlantSnapp 71,000 verschiedene Pflanzenarten per Foto-Erkennungssoftware zugeordnet werden. Ähnlich funktioniert auch Pl@ntNet, mit dem Unterschied, dass die Ergebnisse aus einem Community-Fundus stammen, der stetig durch die Nutzer selbst erweitert wird. Daher kann eine Bestimmung hier manchmal etwas dauern: die Pl@ntNet Gemeinde muss zunächst prüfen, ob eine Zuordnung korrekt ist. Oft funktioniert aber auch hier die Erkennung sehr schnell. Ein weiterer Pluspunkt: Pl@ntNet ist kostenlos, wohingegen PlantSnapp 4,09 Euro im Playstore oder bei iTunes kostet.

Keine langen Recherchen mehr: Mit nur einem Foto kann jede Pflanze zugeordnet werden. Screenshot: ForestFinance

Der NABU-Vogelführer

Wie oft ist es schon passiert, dass man in der Natur unterwegs ist und eine Vogelart hört oder entdeckt, über die man gerne mehr wissen möchte? Die Vogelführer-App des NABU schafft Abhilfe: Über 250 Steckbriefe verschiedener Vogelarten enthält die kostenlose Vogelführer-App. Für die bekanntesten 40 Gartenvögel und alle Vögel des Jahres sind sogar einzelne Vogelstimmen verfügbar – so kann jeder Vogelfreund die gehörten Vogelstimmen direkt vergleichen. Oder man gibt die Merkmale des gesuchten Vogels ein und prüft die erscheinenden Vorschläge. Je mehr Merkmale wie Lebensraum, Schnabel, Beine, Größe oder Gefieder angegeben werden, desto kürzer wird die Ergebnisliste der in Frage kommenden Vögel. Über die App kann auch jeder, der sie nutzt, an der jährlich stattfindenden „Stunde der Gartenvögel“ teilnehmen, eine vom NABU ausgerichtete deutschlandweite Vogelzählung, und dabei viele spannende Preise gewinnen. Erhältlich für Android und iOS.

Über 250 Vogelarten listet die Vogelführer-App des NABU. Screenshots: ForestFinance

 

Wir wünschen viel Spaß beim Ausprobieren und freuen uns wie immer über weitere Empfehlungen!

 

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