Pineroot – die einzigartig nachhaltigen Filmemacher

Johannes Kaczmarczyk und Vanouch Balian sind die ersten Filmemacher, die ihre Arbeit der Nachhaltigkeit verschrieben haben. Mit ihrer Filmproduktionsfirma Pineroot wollen sie nicht nur ausschließlich ökologische und soziale Themen in bewegend bewegten Bildern aufgreifen, sondern verpflichten sich auch selbst, umweltfreundlich und menschlich zu arbeiten und zu agieren. Für ForestFinance haben sie den Erklärfilm zum SchutzWald-Projekt in Panama produziert. Wir waren begeistert und wollten mehr über das junge und engagierte Projekt erfahren. Wir haben die jungen Filmemacher zum Interview gebeten.

Johannes Kaczmarczyk (links) und Vanouch Balian, die Gründer der Filmproduktion Pineroot, haben sich der Nachhaltigkeit verschrieben – auf allen Ebenen. Foto: pineroot

Ihr stellt euch auf eurer frisch gebackenen Homepage so vor: „Pineroot ist eine nachhaltige Filmproduktion aus Berlin. Wir sind spezialisiert auf die Erstellung von Filmen für Unternehmen und Organisationen, die sich bewusst für die Umwelt, ökologisches Wirtschaften und das Gemeinwohl einsetzen.“ Wie und warum seid ihr auf die Idee gekommen, euch auf AuftraggeberInnen zu konzentrieren, die sich der Nachhaltigkeit verschrieben haben?


Johannes KKaczmarczyk (JK) und Vanouch Balian (VB): Wir arbeiten beide seit fast einem Jahrzehnt für die Filmbranche. Wir sind leidenschaftliche Filmemacher und lieben unseren Beruf. Gleichzeitig beschäftigen wir uns schon seit unserer Jugend mit ökologischen Themen. Die Klimakrise und Umweltzerstörung besorgen uns. In den letzten Jahren ist der Wunsch beständig gewachsen, selbst aktiv zu werden. Mit Pineroot verknüpfen wir unser Talent, nachhaltige Themen in Film zu übersetzen und so einen Beitrag für eine bessere, ökologischere Welt zu leisten.

Dazu kommt, dass Nachhaltigkeit bei der Herstellung von Filmen noch immer keine sehr große Rolle spielt.

Aber auch bei der sozialen Nachhaltigkeit gibt es noch viel Nachholbedarf: Es gibt selten eine richtige Feedback-Kultur und Beschäftigte in Filmproduktionen finden sich leider oft in prekären Arbeitsverhältnissen wieder.

Filmbudgets oder Tagesgagen werden so lange gedrückt, bis ein wirtschaftliches Arbeiten kaum mehr möglich ist. Auch unter Kollegen ist es leider oft so, dass kompromisslos versucht wird, die eigenen Interessen durchzusetzen.

Das ist natürlich nicht immer so und es gibt auch Ausnahmen, dennoch haben uns diese Themen innerhalb unserer Freiberuflichkeit als Filmemacher in den letzten Jahren immer wieder beschäftigt. Mit Pineroot möchten wir innerhalb der Branche ein Zeichen setzen und zeigen, dass ein anderer Umgang mit unseren Ressourcen und im Miteinander möglich ist.

Wir konzentrieren uns auf AuftraggeberInnen, die sich der Nachhaltigkeit verschrieben haben. Dadurch erhoffen wir uns mit Menschen zusammenzuarbeiten, für die Umweltschutz, Authentizität, Fairness und Ehrlichkeit wie auch für uns einen sehr hohen Stellenwert haben. Menschen, die etwas Positives mit ihrer Arbeit bewirken möchten.

Wir sind davon überzeugt, dass diese Unternehmen und Organisationen unsere Werte teilen und ebenfalls als Pioniere gemeinsam mit uns neue Wege beschreiten möchten. Dabei wollen wir sie mit unseren Stärken und Fähigkeiten in ihrer Außendarstellung mit Bewegtbildinhalten unterstützen und dabei helfen ihre Botschaft zu verbreiten.

Die Werte von Pineroot, die vor und hinter der Kamera, vor und nach dem Dreh die wichtigste Rolle spielen. Grafik: pineroot

Welche Konsequenzen hat das für eure Arbeit? Schränkt euch das nicht sehr ein, wenn ihr von vorneherein Aufträge ausschließt, die euch ggf. viel Geld und Ruhm, aber keine Ehre einbringen? Oder verschafft euch die Konzentration auf umweltbewusste Unternehmen einen Marktvorteil, weil es euch einzigartig macht?


JK/VB:
Es ist natürlich nicht auszuschließen, dass wir für manche Unternehmen und Auftraggeber durch unsere Positionierung weniger attraktiv erscheinen. Aber das ist eine Entscheidung hinter der wir voll und ganz stehen. Wir sind fest davon überzeugt, dass sich eine glaubwürdige, eindeutige Positionierung am Ende auszahlen wird – in jeglicher Hinsicht.  Denn wir garantieren unseren AuftraggeberInnen, dass wir exklusiv mit Unternehmen zusammenarbeiten, die unsere Grundsätze, Werte und Mission teilen. Das kommt bei unseren bisherigen AuftraggeberInnen sehr gut an und spricht sich rum. Im Laufe der Zeit kann dadurch sicherlich ein Marktvorteil entstehen.

Pineroot Filmteam bei der Arbeit
Das Filmteam bei der Arbeit: v.l.n.r. Regisseur Vanouch, Producerin Rebecca und Kameramann Johannes. Foto: Pineroot

Wie unterscheidet sich eure Arbeitsweise als nachhaltige Filmemacher von konventionellen?


JK: Es gibt einiges, was wir anders machen: Es beginnt bei der Erstellung des Konzepts bzw. Drehbuchs und mündet in der Nachbearbeitung der Werbefilme. Bereits in der Konzeptionsphase überlegen wir, wie wir den Film ressourcensparend und umweltfreundlich umsetzen können. Durch unsere Spezialisierung auf Nachhaltigkeit kennen und leben wir auch selbst die Bedürfnisse unserer KundInnen: Wir beziehen zertifizierten Ökostrom, setzen auf ÖPNV, Lastenfahrräder und wenn nötig E-Autos. Bis zu einem Umkreis von 1.000 Kilometer fahren wir, soweit möglich, mit der Bahn und übernachten in zertifizierten Hotels mit ökologischen Standards. Beim Catering achten wir auf Bioprodukte aus der Region. Der Produktionsprozess erfolgt papierlos, unsere gesamte Buchhaltung läuft digital, ohne Papierausdrucke.
VB: Auch in der Zusammenarbeit mit unseren Angestellten und externen Dienstleistern ist uns ein fairer und transparenter Umgang zum Beispiel in der Bezahlung sehr wichtig. Durch unsere Feedback-Kultur innerhalb des Teams und ein kontinuierlich agiles Projektmanagement wollen wir uns immer weiter verbessern. Denn auch wir lernen jeden Tag hinzu, gerade auch, wenn es um nachhaltigere Arbeitsmethoden geht. Keiner ist vollkommen, alles andere wäre auch nicht ehrlich zu behaupten.

Wie wird man eigentlich Filmemacher? Wie seid ihr es geworden?


JK: Ich habe mich schon nach Ende meiner Schulzeit als junger Mensch fürs Reisen und neue unbekannte Welten begeistert. Mir war es immer ein Anliegen, diese Geschichten mit Film und Foto festzuhalten um sie anderen Menschen zeigen zu können, die selbst nicht vor Ort mit dabei sein konnten. So entstand in mir der Wunsch Kameramann zu werden und Dokumentarfilme für gesellschaftsrelevante Themen zu drehen. In meinem allersten Projekt habe ich während meines Zivildienstes die BewohnerInnen einer Einrichtung der Drogenhilfe Köln begleitet. Hier durfte ich erleben, was Sucht tatsächlich bedeutet und anrichtet: Mir wurde die Kamera von einem der BewohnerInnen gestohlen und für den Drogenkonsum verkauft. Nach dem Zivildienst folgten Praktika in einer Kölner Filmproduktion und Filmtechnikverleih, gefolgt von Bachelor- und Masterstudium an Filmhochschulen in Berlin, Zürich und Hamburg. Nach Ende meines Masterstudiums habe ich dann die ersten Überlegungen für die erste eigene nachhaltige Filmproduktion angestellt, beeinflusst durch mein Masterstudium, bei dem wir bereits angehalten wurden, die Filme nach den Richtlinien des „Grünen Drehpasses“ zu produzieren.

VB: Mit etwa 15 Jahren hat mir mein Vater seine analoge Spiegelreflexkamera gegeben und ich habe angefangen, Fotos zu machen. Später kam ein Hi-8-Camcorder dazu. Es hat mich fasziniert, mich durch diese Medien auszudrücken.

Fürs Abitur haben wir dann die Filme von Louis Malle durchgenommen: „Lacombe, Lucien“ und „Au revoir, les enfants“. Meine Französischlehrerin hat uns nähergebracht, wie in Filmen auf unterschiedlichsten Ebenen erzählt wird.  Wie zum Beispiel: „Dieses Bild ist eher bläulich gehalten, denn das drückt Kühle oder Distanz aus“, und mir ist klar geworden: Es sind nicht nur die pure Handlung oder die Dialoge, die uns vordergründig etwas erzählen, sondern auch viele weitere Elemente wie Licht, Musik und Kameraperspektiven, durch die man beispielsweise eine bestimmte Emotion oder das Verhältnis von Charakteren zueinander erzählen kann. Und das fand ich sehr spannend, denn das schien mir wie das perfekte Medium, in dem alle meine Interessen zusammenkommen – bis heute.

Welche Geschichte steckt eigentlich hinter eurem Namen „Pineroot“?

JK/VB: Der Name „Pineroot“ ist evokativ, er zeigt nicht direkt, dass wir mit Filmen arbeiten. Pineroot ist eine spielerische Verbindung, die sich aus den Wörtern „Pine“ zu Deutsch: Kiefer und „Root“ auf Deutsch: Wurzel bildet. Beide Wörter sind direkt mit der Natur verbunden und beziehen sich auf den grünen, nachhaltigen Aspekt unserer Filmproduktion.

Was für Filme produziert ihr?


JK/VB: Wenn ein/e KundIn zu uns kommt, hören wir erstmal zu und besprechen das Kommunikationsziel. Wir finden ausgehend von der Zielgruppe unserer AuftraggeberInnen die passenden Geschichten und Emotionen, die zum Produkt oder zur Dienstleistung passen. Das können hochwertige Branded Content- und Social-Media-Filme sein, aber auch emotionale Portrait-Filme. Ebenso sind außergewöhnliche Werbe-, Image- und Animationsfilme Bestandteil unserer Dienstleistung.

Auf Wunsch beraten wir unsere KundInnen auch bei der Anschaffung passender Filmtechnik und eines kompakten nachhaltigen Filmstudios, wenn intern im eigenen Unternehmen einfache Medieninhalte erstellt und nachbearbeitet werden sollen.

Was war bislang euer spannendster Auftrag und warum?


JK: Jeder Auftrag ist auf irgendeine Weise spannend und immer von Neuem auf seine Art herausfordernd. Unser kürzlich abgeschlossener Werbefilm für ein großes Berliner Recyclingunternehmen zählt sicherlich zu einem dieser Aufträge. Hier war die Herausforderung, einen komplexen technischen Sachverhalt einer breiten Zielgruppe zugänglich zu machen, um sie von dem Vorhaben zu überzeugen und Bedenken mit sachlichen Argumenten zu begegnen. Bei dem Werbefilm haben wir die ausgetretenen Pfade eines klassischen Erklärfilms verlassen und den technischen Erklärteil des Films in eine fiktionale Geschichte mit einer echten Schauspielerin eingebettet. Das Ergebnis ist ein kurzweiliger, knapp fünfminütiger Hybridfilm, in dem dokumentarische sowie fiktionale Elemente miteinander verbunden werden.

VB: Wir erfanden eine fiktive Figur, die sich durch das Vorhaben des Unternehmens gestört fühlt. Der Film folgt ihr auf der Suche nach einer Lösung für ihr Problem. Sie trifft einen Mitarbeiter des Unternehmens, der geduldig jede Frage beantwortet und am Ende ihr Problem löst. Auf diese Weise identifiziert sich der/die ZuschauerIn mit der Darstellerin und geht mit ihr auf eine emotionale Reise. Nebenbei erfährt man so ganz nebenbei etwas über den Sachverhalt.

Filmdreh ALBA Recycling Pineroot
Das Pineroot-Team beim Dreh des Info-Films für ALBA Recycling. Foto: Pineroot

Ihr habt für ForestFinance den Info-Film zum SchutzWald gemacht. Wie seid ihr auf uns aufmerksam geworden?


JK/VB: Als wir uns mit der Werbefilmproduktion auf Nachhaltigkeit spezialisiert haben, realisierten wir im ersten Schritt einige kleine Filme für die Deutsche Umweltstiftung. Die MitarbeitInnen haben uns freundlicherweise auf ForestFinance aufmerksam gemacht. Uns hat die Idee einer nachhaltigen Geldanlage sofort fasziniert. So ist der Kontakt zu Nina Rattay von ForestFinance zustande gekommen und der gemeinsame Entschluss zusammenzuarbeiten.

Den Infofilm von Pineroot zum SchutzWald finden Sie auf unserer ForestFinance-Webseite.

Wie aufwändig ist es eigentlich so einen Film, wie den für ForestFinance zu produzieren? Wie viel Zeit und WoMan-power wird dafür benötigt?


JK/VB: Jeder Film ist unterschiedlich aufwändig in der Umsetzung, diese Frage lässt sich immer nur individuell beantworten. Im Falle von ForestFinance hatten wir einen kleinen Pool von bereits gedrehtem Filmmaterial, das „Stock Footage“ genannt wird. Im ersten Schritt wurde mit Rücksicht auf dieses Filmmaterial in enger Zusammenarbeit mit ForestFinance ein Konzept ausgearbeitet, das immer weiter verfeinert wurde. Im Konzept wurden die Filmeinstellungen aus dem Stock Footage, notwendige Animationen und Texteinblendungen sowie der Sprechertext festgelegt. Im Anschluss wurde der Film geschnitten und die Animationen und Filmtitel entworfen. Zusätzlich zu den vorhandenen Filmaufnahmen wurden zusätzlich externe Film- und Musikaufnahmen eingekauft. Nach Abnahme des Filmschnitts wurde dieser mit Geräuschen –  zum Beispiel mit atmosphärischen Tönen eines Waldes oder einem Vogelzwitschern sowie einer vorher abgestimmten Musik – vertont. Im nächsten Schritt wurde mit einer professionellen Sprecherin im Tonstudio die Sprecherstimme aufgezeichnet. Dieses Voice-Over wurde dann gemeinsam mit den Untertiteln in den Werbefilm eingefügt. Zum Schluss wurde von der finalen Filmfassung neben dem üblichen Bildseitenverhältnis von 16:9 auch eine quadratische Variante des Films in 1:1 für die Auswertung auf den Social-Media-Kanälen erstellt. Je nach Aufgabenstellung sind zwischen vier bis sechs Menschen an einem Projekt in dieser Größe beteiligt.
Ein Film aus bereits gedrehten Footage lässt sich auch in Krisenzeiten wie Corona problemlos und schnell realisieren, da ja kaum oder gar nicht gedreht werden muss.

Was ist euer Traum? Welchen Film würdet ihr gerne drehen?


JK/VB: Einer unserer Träume ist sicherlich eine mehrteilige (Web-)Filmserie über ein wichtiges nachhaltiges Thema zu drehen, das auf möglichst vielen Kanälen online zahlreiche Zuschauer erreicht und sie vor allem zum Umdenken motiviert. Schritt für Schritt auf dem Weg zur Veränderung und zur Anpassung unserer Gewohnheiten. Das ist ja unser grundsätzliches Ziel: Als Idealisten die Welt ein Stückchen besser zu machen und dabei wichtige, nachhaltige Unternehmen und Organisationen zu unterstützen. Ihre Botschaft in die Welt tragen und sie groß machen. Dafür stehen wir bei Pineroot.

Sie finden die engagierten Filmemacher unter Pineroot.de.

betreut seit 2008 das Kundenmagazin ForestFinest und sämtliche Printprodukte als Redakteurin und Autorin. Sie schreibt am liebsten über nachhaltig Gutes, das sich für Mensch und Umwelt rechnet.

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