Mode mit gutem Gewissen: fair, ökologisch & nachhaltig

„Fair, ökologisch, nachhaltig“ – das ist der Dreiklang, den moderne Marken und Unternehmen heute verfolgen müssen, wenn sie nicht in einen Topf mit den schwarzen Schafen der Textilindustrie geworfen werden wollen, die für grausame Arbeitsbedingungen in Asien oder krankmachende Stoffe in unserer Kleidung verantwortlich sind. Um glaubhaft nachhaltige Mode zu verkaufen, braucht es vor allem eines: Transparenz.

Langsam aber sicher im Kommen: Fair Fashion. Foto: StockSnap

Fast Fashion vs. Nachhaltigkeit und Fairness

Mode und Trends sind bislang vor allem gekennzeichnet durch ihre Schnelllebigkeit. In möglichst kurzen Zyklen werden Trends entwickelt, neue Outfits gekauft und alte vergessen – ein Kreislauf, der von Grund auf ganz und gar nicht nachhaltig ist. Was Mode-Interessierte auf den Fashion Weeks in Paris, London, Mailand und Berlin zu Gesicht bekommen, gehört zur „Fast Fashion“, die anschließend in Hochglanzmagazinen, Blogs und TV-Shows als nächstes Must-Have angepriesen und bald schon wieder vergessen wird. Allein von 2000 bis 2014 hat sich die Bekleidungsproduktion weltweit verdoppelt und etwa 100 Milliarden Kleidungsstücke nur in dem Jahr 2014 neu produziert, wie Greenpeace in einer weltweiten Studie feststellte. Vom Entwurf auf dem Reißbrett bis zum fertigen Kleidungsstück vergehen mittlerweile nur noch wenige Wochen und zwar nicht mehr im Rahmen einer Sommer- und einer Winterkollektion, sondern am laufenden Band. Die Kunden wollen ihre Garderobe entsprechend ständig erneuern – was bei einem T-Shirt-Preis von fünf Euro auch kein Problem darstellt.

Kein Problem? Zumindest nicht für den Kunden. Auf der anderen Seite der Produktionskette haben wir ganz andere Bilder vor Augen: eingestürzte Fabrikhallen, Näherinnen am Rande der Erschöpfung, Chemikalieneinsatz bei der Produktion, mit Pestiziden belastete Baumwolle, Kinderarbeit.

Mehr als 90 Prozent der in Deutschland getragenen Kleidung stammt aus Asien, das meiste davon aus China. Aber auch in Bangladesch oder Indien wird für uns produziert, und zwar nicht nur für günstige Marken wie KiK oder Primark, sondern auch für Luxuslabel. Denn wie teuer das Produkt am Ende bei uns vermarktet wird, macht meist keinen Unterscheid für die Arbeiterinnen in den Produktionsländern. Ihre Arbeitsbedingungen sind in den meisten Fällen miserabel.

Die Ausreden der Produzenten sind dabei stets dieselben. Zwar haben von Boss bis H&M die meisten Firmen mittlerweile einen Nachhaltigkeitskodex oder eine entsprechende Police eingerichtet, inwiefern sie sich aber daran halten, ist kaum nachprüfbar. Die Produktionskette sei einfach zu lang, heißt es stets. Der Fashion Transparency Index 2017 prüfte einhundert große und bekannte Kleidungsproduzenten und untersuchte, inwieweit sich die Unternehmen an ihre eigenen Nachhaltigkeitsregeln halten – sofern sie welche haben. Das Fazit: In Sachen Transparenz und somit Glaubwürdigkeit ist noch sehr viel Luft nach oben.

Nicht besonders durchsichtig: Der Fashion Transparency Index testete rund hundert Unternehmen. Hundert Prozent Transparenz gäbe es, wenn alle Produktionsschritte nachvollziehbar offen gelegt würden. Hier klicken für eine größere Version!

Neue Labels, neue Transparenz

„Bewusste Ernährung“ ist als Thema schon lange im Mainstream angekommen, „Bewusste Kleidung“ kommt da etwas langsamer ins Rollen. Seitdem aber das Thema auch auf Fashion Weeks weltweit diskutiert wird und sich sogar Design-Ikone Vivienne Wetswood  mit ihrem Aufruf „Kauft überhaupt nichts mehr!“ in die Debatte einmischte, scheinen Nachhaltigkeit und Fairness auch endlich hier an Bedeutung zu gewinnen. Der Fair-Fashion-Trend nimmt Fahrt auf.

Dass Mode auch gut und anders geht, zeigen vor allem viele junge Labels, die versuchen, es gleich von Anfang an richtig zu machen. In jeder größeren deutschen Stadt haben sich mittlerweile kleine Boutiquen etabliert, die auf Bio-Rohstoffe und faire Arbeitsbedingungen achten und das alles mit größtmöglicher Transparenz.

Das Kölner Unternehmen ARMEDANGELS ist so ein Label. Die im Online-Shop angebotenen Kleidungsstücke – weit entfernt von Birkenstock und Jutebeutel (Obwohl auch diese in den letzten Jahren ein feierliches Comeback erlebten!) – sind allesamt nach dem GOT zertifiziert, dem Global Organic Textile Standard.

Dieser ist als weltweit führender Standard für die Verarbeitung von Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern anerkannt und definiert auf hohem Niveau umwelttechnische Anforderungen entlang der gesamten Produktionskette. Er fordert gleichzeitig die Einhaltung von Standards im sozialen Bereich. armedangels ist außerdem Teil der Fair Wear Foundation und unterzieht sich und alle seine Produktionspartner regelmäßigen strengen Audits. Fairtrade lizensiert sind die Kleidungsstücke auch noch – quasi ein Rundum-Sorglos-Paket für Mode mit gutem Gewissen. Auf ihrem Blog Nothing to hide stellen sie regelmäßig Mitarbeiter aus allen Produktionsstätten vor, vom Bio-Baumwoll-Bauern aus Indien über die Leiterin der Strickerei in der Türkei. Sustainability Managerin Julia berichtet  außerdem regelmäßig von ihren Reisen.

Holz im Hemd

Und auch sonst gibt es nichts zu meckern: Janina aus unserer Online-Redaktion und Nina, Leiterin der Kommunikationsabteilung bei ForestFinance, haben sich kurzerhand als Testerinnen zur Verfügung gestellt und zwei Oberteile von ARMEDANGELS anprobiert, die uns freundlicherweise als Trageproben zugeschickt wurden. Neben den eleganten Schnitten hat beide besonders der feine Stoff positiv überrascht: irgendwie seidig und sanft, aber trotzdem kühl. Auch einem spontanen Fotoshooting im Nieselregen hielten die beiden schicken Teile stand:

Nina Rattay (links) und Janina Mai sind – trotz Regenwetter – ganz begeistert vom feinen Lyocellstoff. Foto: Katrin Spanke, ForestFinance

Der Stoff aus dem die beiden Oberteile gefertigt sind heißt Lyocell und wird – wie passend zu ForestFinance! – aus Holz gewonnen. Lyocell ist somit eine natürliche und nachhaltige Cellulosefaser, deren Herstellung aufgrund eines geschlossenen Kreislaufs besonders umweltfreundlich und natürlich auch biologisch abbaubar ist. Lyocell wird laut Hersteller aus asiatischem Eukalyptusholz  gewonnen, das aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt. Mehr über die Herstellung der handgemachten Holzfaser erfahren Sie hier.

Trotz dieser vielen erfreulichen Entwicklungen wird es natürlich noch dauern, bis die großen Fast-Fashion-Konzerne ein paar Gänge runter schalten um für Mensch und Umwelt bessere Bedingungen zu schaffen. Wer Mode trotzdem mit gutem Gewissen tragen möchte, der kann bis dahin ein paar einfache Regeln beachten:

  1. Tragen und pflegen: Die Kleidungsstücke, die man bereits besitzt, wirklich nutzen, bis sie den Geist aufgeben.
  2. Weniger kaufen, besser wählen: Mit Bedacht einkaufen und nie die Frage vergessen „Brauche ich das wirklich?“.
  3. Auf Qualität achten: Langlebigkeit und gute Qualität sind das A und O nachhaltiger Kleidung.
  4. Secondhand kaufen: Statt millionenfache Neuproduktionen zu unterstützen, lieber das nehmen, das bereits da ist.
  5. Nachhaltige und faire Labels unterstützen: Wenn schon neu kaufen, dann am besten bei Labels, die sich ökologischen und ethischen Standards verpflichtet haben und deren Einhaltung transparent kommuniziert wird.

Zum Schluss noch ein paar Tipps zum Weiterlesen:

  • Utopia stellt 20 Öko-Labels vor, die einen Blick wert sind
  • Der Fair Fahsion Guide wird herausgegeben von FEMNET e.V. und bietet einen Überblick zu aktuellen Debatten
  • Fair-Fashion.net ist ein deutsches Online-Modemagazin, dass sich auf faire und ökologische Mode spezialisiert hat
  • Auf jeden Fall ansehen: Im Film The True Cost reist Regisseur Andrew Morgan in 13 Länder, um zu dokumentieren, wer den tatsächlichen Preis für die billige Mode in unseren Läden zahlt:

 

 

Ein Kommentar zu “Mode mit gutem Gewissen: fair, ökologisch & nachhaltig

  1. Schamlose Werbung aus persönlicher Überzeugung: http://www.nudiejeans.com machen überwiegend richtig schicke Kleidungsstücke, und insbesondere die Jeans sind große Klasse. Dazu sind die Fair-Workplace-Audits aller Produktionsstätten veröffentlicht, man bietet Repair Shops an (und für die, die nicht in der Nähe eines solchen wohnen, ein kostenloses Repair Kit), und Bio-Baumwolle muss man vermutlich gar nicht erwähnen. Dazu sind die Produkte qualitativ so hochwertig, dass man sie jahrelang tragen kann. Teurer als eine Levi’s sind sie auch nicht.
    Und ansonsten finden sich auf http://www.grundstoff.net auch echt feine, hochwertige Kleidungsstücke mit Erläuterungen zu den Labels, mit denen die Hersteller zertifiziert sind.
    Klar: Jetzt den Kleiderschrank leer zu räumen, um alles mit fair produzierten Produkten zu ersetzen, wäre natürlich auch nicht gerade nachhaltig. Aber falls man in Zukunft mal wirklich ein neues Kleidungsstück braucht, sind das gute Anlaufstellen.

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