Corporate Social Responsibility – Schlag- oder Ehrenwort?

Wolfgang Scheunemann, Initiator des Deutschen CSR-Forums, über die Verantwortung von Unternehmen, Greenwashing und Zukunft für ­Umwelt und Wirtschaft. Das Interview erschien zuerst im Kundenmagazin ForestFinest 1-2015.

 

Immer mehr Firmen greifen das Thema soziale Verantwortung auf und informieren sich über CSR. Was bedeutet CSR und was bedeutet es für Sie?

CSR, also die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen, ist die Rückbesinnung der Unternehmen darauf, dass sie in einer Gesellschaft leben, die ihnen überhaupt erst erlaubt, tätig zu sein. Das ist nicht selbstverständlich; gründen Sie mal in Brasilien, China oder Russland eine Firma! Die Gesellschaft kann erwarten, dass sich das Unternehmen so verhält, dass es nicht die Mitarbeiter ausbeutet, die Umwelt verpestet oder Sozialstandards unterläuft.

 

Was kennzeichnet Unternehmen, die CSR ernst nehmen? Worin unterscheiden sie sich von anderen?

Durch die sich verschärfenden Vorschriften werden die Nachhaltigkeitsberichte wahrer. Wichtiger ist allerdings, dass die Unternehmen CSR nutzen, um ihre Performance zu verbessern. Unsere Erfahrung sagt, dass man durch CSR ohne Arbeitsplatzabbau oder Arbeitsverdichtung drei Prozent Kosten sparen kann. Das bedeutet für viele Firmen eine Gewinnverdopplung. Das obendrauf wäre ein gutes Pols­ter für schlechtere Zeiten und für Investments in die Zukunft.

 

Dabei ist CSR nichts Besonderes. Robert Hassler, der Vorstandsvorsitzende von oekom Research, hat gesagt, CSR sei nur die Anwendung des gesunden Menschenverstandes. Das stimmt. Denn Sie brauchen keine neuen Regeln, um beispielsweise zu begreifen, dass demotivierte Mitarbeiter weniger leisten als motivierte, und Sie brauchen keine, um zu verstehen, dass die Ressourcen endlich sind. Allerdings wissen die Chefs noch zu wenig über CSR.

 

Wie groß schätzen Sie die Gefahr ein, dass Unternehmen CSR als Mittel zum Greenwashing missbrauchen und wie kann man solche Verhaltensweisen abwenden?

Je weniger ein Unternehmen über CSR weiß, desto größer ist die Gefahr. Dass es dabei seine Reputation verspielt, ist den Verantwortlichen nicht klar. CSR-Kommunikation ist anstrengender als die in Firmen geübte Produkt- und Finanzkommunikation. Sie erfordert nicht nur das Propagieren, sondern auch das Verstehen der Dinge, und sie erfordert mehr Zeit. Viele Firmen wollen zwar CSR-Kommunikation, fallen aus Ideenlosigkeit und Zeitdruck doch wieder in die Arbeitsmechanismen zurück – ja, und dann soll es Greenwashing richten. Ich sehe auch noch nicht die PR-Beratungen, die verantwortliche Kommunikation „können“. Hier wartet ein riesiges Betätigungsfeld darauf, erschlossen zu werden.

 

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Wie sind Sie persönlich dazu gekommen, sich für das Thema CSR und Umwelt zu interessieren?

Ich habe 1968 in Frankfurt Chemie studiert. Damals goss man alle Chemikalien einfach in den Gully. Ich fragte, was denn damit passiere, und man hat mich beruhigt, der große Fluss Main würde alles schon so verdünnen, dass es unschädlich werde. Das war die Denke. Ich wollte es nicht glauben.

Später bei Daimler bin ich zum POEMA-Projekt gekommen. Damals fragten sich einige Umweltbewegte, wie man den Regenwald retten könnte. Sie kamen zur Erkenntnis, dass dies nur möglich sei, wenn der Regenwald Produkte erzeuge, von denen die Menschen dort leben könnten. Damals hat Daimler geholfen, solche Produkte zu identifizieren und einzusetzen, beispielsweise Naturfasern in der Autoproduktion. Ich sehe das als Anfang der CSR-Kommunikation und bin stolz, hier beteiligt gewesen zu sein.

In Brasilien habe ich gestaunt, als ich hörte, dass das Amazonasgebiet das größte Süßwassergebiet der Erde ist, aber das Wasser aufgrund der menschlichen Einwirkungen nicht trinkbar ist. Darauf sagte ein Brasilianer zu mir: „Ja, da staunen Sie, wo Sie in Europa doch bestes Trinkwasser sogar für die Klospülung verwenden.“ Da ging mir unser Reichtum hier auf und die Probleme, die es gibt, um anderswo die Lebensbedingungen zu verbessern. Das war meine Initialzündung für CSR.

 

Was wünschen Sie ForestFinance zum 20-jährigen Jubiläum? Was wünschen Sie Wirtschaft und Umwelt für die Zukunft?

Wir beim Deutschen CSR-Forum feierten im letzten Jahr den 10. Kongress und stehen vor dem 11. Ich weiß sehr gut, was für eine Arbeit zehn Jahre und noch mal zehn Jahre sind. Und ich kann abschätzen, was bisher erreicht wurde und was dies bedeutet. Deshalb habe ich großen Respekt vor der Arbeit von Herrn Assenmacher und seinem Team. Ich wünsche Ihnen: Weiter so! Ohne Initiativen wie diese wäre der Versuch, Global Warming zu bremsen, völlig unrealistisch.

betreut seit 2008 das Kundenmagazin ForestFinest und sämtliche Printprodukte als Redakteurin und Autorin. Sie schreibt am liebsten über nachhaltig Gutes, das sich für Mensch und Umwelt rechnet.

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