ForestFinance-Urkunden riechen nach frischem Heu

ForestFinance druckt Geschenk-Urkunden auf Graspapier. Das riecht nicht nur nach Gras – es wird auch daraus gemacht und ist damit eines der ökologischsten Papiere der Welt.

ForestFinance-Urkunde Graspapier

Vor Kurzem kamen in den Bonner ForestFinance-Büros einige Kartons mit frischem Graspapier an. So viel Aufsehen hatte bislang noch keine Papierlieferung erregt: Fast jeder, der an den Kartons in unserem Post-, Drucker- und Kopierraum vorbeiging, blieb stehen und stellte erfreut fest: „Das riecht ja wie frisches Heu!“ Tut es. Ist es im Grunde auch.

Das Graspapier haben wir bei Creapaper bestellt, einem Unternehmen aus unserer Region, das für seine innovativen und umweltfreundlichen Produkte schon viele Auszeichnungen erhalten hat. Wir hatten es auf einer Messe kennengelernt und spontan beschlossen, unsere GeschenkBaum- und BaumSparVertrag-Urkunden darauf zu drucken. Nicht nur, weil das Papier so herrlich nach frischem Heu duftet, sondern vor allem deswegen, weil es so offensichtlich gut für die Umwelt ist.

„Weltweit steigt der Bedarf am Rohstoff Papier kontinuierlich und gleichzeitig nimmt das Bewusstsein für eine nachhaltigere Papierproduktion zu“, erklärt Uwe D’Agnone, der Erfinder des Graspapiers. „Das war der Ausgangspunkt für die CREAPAPER GmbH, nach einer Lösung zu suchen, wie man Papier auch aus einer ökonomisch und ökologisch vorteilhafteren Rohstoffvariante produzieren kann.“ Er hat mit seinem Unternehmen ein spezielles Verfahren entwickelt, bei dem Grasfasern mit Zellstoff (Frischfasern aus Holz) oder Altpapier kombiniert werden und damit einen ökologischen Rohstoff für die Papierherstellung geschaffen.

Uwe D'Agnone, Creapaper
Uwe D’Agnone, Gründer und Geschäftsführer von Creapaper, vor einer Rolle Graspapier. Foto: Creapaper

Die Geschichte vom Graspapier

Die nahm ihren Anfang vor etwa sieben Jahren. Da sah Uwe D’Agnone einen Fernsehbericht über die Papierherstellung und darin Luftaufnahmen von Papierfabriken, Zahlen zum Energiebedarf und Einsatz von Chemikalien. Sie offenbarten die schier unglaublichen Dimensionen der Umweltbelastung, die für Papier in Kauf genommen werden. Uwe D’Agnone beschloss in diesem Moment, nach einer Alternative zu suchen, überzeugt davon, dass man diesen aufwändigen und umweltzerstörerischen Prozess besser gestalten kann.

Die Herstellung von Papier erfolgt auf Basis von Faserstoffen, die in zwei Gruppen eingeteilt werden: Primärfaserstoffe – das sind Rohstoffe, die erstmals in der Produktion eingesetzt werden – und Sekundärfaserstoffe, Recyclingstoffe, die nach dem Gebrauch mehrfach einem Produktionsprozess zugeführt werden, wie beispielsweise Altpapier.

Papier aus Recyclingprozessen ist das ökologischste Papier auf dem Markt. Dennoch benötigt auch dieses frische Fasern und den Rohstoff „Altpapier“, der nicht unbegrenzt zur Verfügung steht. Denn die Menge an Altpapier, die in Deutschland und in anderen westlichen Industrienationen gesammelt wird, stagniert seit Jahren auf einem hohen Niveau und zukünftig sind kaum Steigerungen zu erwarten, da die Bereitschaft und das Potenzial zur Sammlung kaum noch zu erhöhen ist. Hinzu kommt, dass sich bei mehrfachem Recycling die Fasern im Altpapier verkürzen und aus dem Kreislauf ausgeschleust werden. Durch die kürzeren Fasern sinkt die Fähigkeit, als Faserstoff in der Papierproduktion zu dienen. Aus diesem Grund gelangen beständig frische Fasern wie Holzschliff oder Zellstoff auch in den Altpapierkreislauf.

Uwe D’Agnones Idee setzte genau da an: Er suchte nach einer Faser, die anstelle von Holzschliff oder Zellstoff für die Papierproduktion genommen werden kann. Er kam eher zufällig – unter der Dusche, wie sein Mitarbeiter Michael Kroheck im Interview weiter unten erzählt – auf die Idee, aus Gras die Fasern zu gewinnen, aus denen Papier gemacht werden kann.


Die ökologischen Vorteile des Graspapiers

Das erste Papier mit Grasfasern wurde zunächst manuell auf einem Papierschöpfsieb hergestellt und zeigte von Anfang an erstaunlich gute Eigenschaften. Der darauf folgende Maschinentest ermutigte den Graspapier-Erfinder D’Agnone diesen „Prototypen“ weiter zu verbessern, was dann in Zusammenarbeit mit der Münchner Papiertechnischen Stiftung und der Universität Bonn auch gelang.

„Das überall wachsende Naturprodukt Gras kann bei der Herstellung von Papier und Kartons einen Teil des bislang eingesetzten Zellstoffs ersetzen“, so D’Agnone über seine Rohstoffentwicklung. Die ökologischen Vorteile sind eindeutig: Das Naturprodukt ist in großen Mengen verfügbar und wird für das Papier von Creapaper von „Ausgleichsflächen“ bezogen. Das sind Flächen, die nicht bewirtschaftet werden dürfen, aber aufgrund von etwa neu gebauten Straßen oder Einrichtungen in Städten als Ausgleich geschaffen werden müssen. Somit werden keine Lebensräume für den Grasanbau zerstört.

Interview mit Creapaper, unserem Graspapier-Lieferanten

Wir haben Michael Kroheck, zuständig für den europaweiten Vertrieb bei Creapaper, gefragt, wie das Graspapier auf dem Markt ankommt und warum Gras eine wahrhaft grüne, sprich umweltfreundliche Zutat bei der Papierherstellung ist.

Michael Kroheck, CSO Creapaper

Michael Kroheck, CSO Creapaper, ist vom neuen Produkt seiner Firma überzeugt. Foto: privat

Wie kam es eigentlich dazu, dass Creapaper Gründer und Geschäftsführer Uwe D’Agnone aus Gras Papier machen wollte? Gab es einen Auslöser, ein Schlüsselerlebnis?

Es gab tatsächlich ein Schlüsselerlebnis – Uwe D’Agnone sah vor etwa sieben Jahren im Fernsehen einen Bericht über die Papierherstellung. In einer Luftaufnahme waren die Dimensionen einer Papierfabrik zu sehen und die Zahlen, die zum Energiebedarf und Einsatz von Chemikalien genannt wurden, waren so unfassbar hoch, dass er überzeugt war, dass man diesen energetisch aufwändigen und umweltzerstörerischen Prozess besser gestalten kann.

Sein Vorteil: Er kam nicht aus der Papierindustrie und hatte somit einen ganz neuen, unbefangenen Zugang zum Thema. Denn alle in der Branche schauen auf der Suche nach passenden Rohstoffen und Fasern seit Jahrzehnten in den Himmel, auf Pflanzen, die auf kleinem Raum hoch wachsen. Die Problematik beim Hochwachsen ist aber, dass die Bäume dafür einen Klebstoff brauchen, der alles zusammenhält – und zwar Lignin. Bei der Papierherstellung muss dieses Lignin aus den Fasern entfernt werden und dafür braucht man hohe Temperaturen und sehr viel Chemie. Und da wird schon klar, warum Gras so viel besser ist: Es enthält sehr wenig Lignin und kann ohne Chemie für die Papierproduktion aufbereitet werden. Dass Gras diese für die Papierherstellung hervorragenden Eigenschaften haben könnte, fiel D’Agnone unter der Dusche ein – ganz banal und zufällig, wie wohl die besten Ideen entstehen.

Die Idee hat sich offensichtlich als praktikabel erwiesen – wie teuer ist ihre Umsetzung?

Der Rohstoff selbst ist deutlich günstiger als der Zellstoff aus Holz. Denn für dessen Aufbereitung benötigt man sehr viel Energie, Chemie, Unmengen an Wasser und das kostet alles sehr viel Geld. Diese Kosten fallen bei Graspapier weg. Aber – betrachtet man den kompletten Prozess – relativiert sich dieser Preisvorteil. Denn auch beim Graspapier benötigen wir Frischfasern oder Altpapier zusätzlich zu dem Gras. Aber insgesamt kann man sagen: Es ist auf keinen Fall teurer als jede andere Art von Papier, eher günstiger, und es ist deutlich ökologischer.

Wie viel Graspapier stellen Sie mittlerweile her?

Wir haben 2018 etwa 2.000 Tonnen produziert. Das ist nicht viel. Wir können 2019 mit einer neuen Anlage etwa 25.000 Tonnen Rohstoff aus Gras produzieren. Das wären dann schon 60 bis 70 Tausend Tonnen Papier. Die industrielle Fertigung in dem Maßstab wie sie eine Papierindustrie braucht, fängt also erst in diesem Jahr so richtig an.

Also ist die Nachfrage groß?

Die Nachfrage ist riesig! Wir konnten von Anfang an der Nachfrage nicht gerecht werden. Wir haben bis Anfang 2019 nur auf unserer Demo-Anlage die Graspellets, den Rohstoff für die Papierproduktion, produziert und sind mit dem Bau der neuen Anlage gar nicht so schnell fertig geworden wie der Markt es eigentlich wollte. Der will schon seit Ende 2017 Unmengen von unserem Rohstoff haben. Da sind wir ehrlich gesagt etwas überrannt worden …

Wer sind die größten Abnehmer – woher kommen die meisten Anfragen?

Die Lebensmittelindustrie ist der größte Abnehmer, weil sie wegen der verschärften Gesetzgebung stark unter Druck steht. Viele Regularien verbieten bestimmte Produkte, die sie in der Vergangenheit für Obst- und Gemüse-Verpackungen verwendet haben. Für die ist die Grasfaser eine tolle Alternative, weil sie ökologisch, kompostierbar und preiswert ist. Und so kommen die Anfragen mittlerweile aus ganz Europa und international agierende Konzerne wie Rewe, Lidl und Aldi wollen nach und nach komplette Produktsparten umstellen. So hat beispielsweise Rewe im Dezember 2018 eine Pressemeldung rausgeschickt, dass sie bis 2030 alle Verpackungen ihrer Eigenprodukte auf Graspapier umstellen wollen. Das sind fü uns immense Dimensionen: Wir können zwei unserer Pelletieranlagen nur für Rewe auslasten!

Für welchen Einsatz eignet sich das Papier am besten – könnten auch Tageszeitungen darauf gedruckt werden?

Das würde keinen Sinn machen – denn Tageszeitungen sind Wegwerfartikel und werden auf Altpapier gedruckt. Da wäre Graspapier völlig ungeeignet. Ein perfektes Produkt für Graspapier ist eigentlich eine Verpackung, die bestimmte Qualitätskriterien erfüllen muss und nach Gebrauch in einen Recycling-Prozess eingeführt wird.

Kann Graspapier besser als Altpapier kompostiert werden?

Graspapier ist kompostierbar, aber am ökologischsten ist Recycling und durch nichts zu ersetzen! Der Altpapierkreislauf ist der beste Stoffkreislauf, den es gibt.

Wie viel Gras steckt in dem Papier, das ForestFinance für die Urkunden verwendet?

Wir produzieren das Papier nicht selber – wir produzieren den Rohstoff aus Gras und geben diesen einer Papierfabrik, die daraus das Graspapier nach einer eigenen Rezeptur herstellt. In Ihren Urkunden sind bis zu 50 Prozent Grasfasern enthalten – der Rest sind entweder Frischfasern aus überwiegend FSC-zertifizierter Holzwirtschaft oder aus Altpapier. Die Rezepturen halten die Papierfabriken streng geheim. Sie können sich aber sehr sicher sein, dass Ihr Graspapier ein hochökologisches Produkt ist.

Wenn Sie mehr über das Graspapier erfahren möchten, schauen Sie sich die Homepage von Creapaper an.

betreut seit 2008 das Kundenmagazin ForestFinest und sämtliche Printprodukte als Redakteurin und Autorin. Sie schreibt am liebsten über nachhaltig Gutes, das sich für Mensch und Umwelt rechnet.

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