Investieren? Nachhaltig! Fünf Fragen an: ökofinanz-21 e.V.

Nachhaltige Geldanlagen sind längst nicht mehr nur etwas für „Ökos“: Auch Großinvestoren haben mittlerweile erkannt, dass Faktoren wie Klimarisiken ins Gewicht fallen. Mit ökofinanz-21 ist ein Netzwerk von Finanz-BeraterInnen entstanden, die sich ökologisch-ethischen Prinzipien verschrieben haben. Wir haben den Vorsitzenden Ingo Scheulen gefragt, worauf es ankommt.

Foto: pixabay
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Wie hat sich der Markt für nachhaltige Geldanlagen in den vergangenen Jahren Ihrem Eindruck nach entwickelt?

Der Anteil nachhaltig ausgerichteter Geldanlagen war noch vor zehn Jahren eine kaum bekannte Nische für besonders interessierte und engagierte Menschen und Unternehmen. Inzwischen erkennen immer mehr, dass Nachhaltigkeit als Wertorientierung immer wichtiger wird. Das so investierte und verwaltete Anlagevolumen wächst seit Jahren überdurchschnittlich: 2017 verzeichnet der Marktbericht des Forum Nachhaltige Geldanlagen 171 Milliarden Euro in Deutschland. Nimmt man sämtliche Anlageformen hinzu, die unter dem Begriff „verantwortliches Investment“ gefasst werden, sprechen wir von 1,4 Billionen Euro. Dabei sind es vor allem institutionelle Anleger wie Stiftungen, Versorgungswerke und Vermögensverwalter, die für das hohe Wachstum sorgen.

Wie ist das ökofinanz-21-Netzwerk entstanden?

Unser Netzwerk war ursprünglich eine kleine Gruppe von Beraterinnen und Beratern, die sich ethisch-ökologischen Grundsätzen verpflichtet sehen. Es ging hauptsächlich um Erfahrungsaustausch und Prüfung des Marktes: Welche Finanzprodukte kommen für meine KundInnen in Frage? Wo tut sich etwas Neues? Welche Etikettenschwindler sind unterwegs? Sowohl die Erwartungen unserer Kunden als auch unsere eigenen Ansprüche sind im Laufe der inzwischen 15 Jahre gestiegen. Es ist noch viel zu tun. Deshalb bauen wir unsere Vernetzungen mit anderen Akteuren aus, um mehr zu bewirken.

Was können Verbraucher von den ökofinanz-21-Beratern erwarten?

Zu allererst dürfen sie eine Haltung zum Umgang mit Geld erwarten und uns kritisch nach unseren Wertvorstellungen befragen. Ethische Verantwortung in Bezug auf den Erhalt unserer Lebensgrundlagen und des sozialen Zusammenhalts sind keine Nettigkeiten, die man zu- oder abwählen kann. Deshalb geht die Finanzberatung unserer Mitglieder tiefer als bei den meisten „konventionellen“ BeraterInnen. Dabei hat jedes Mitglied bei uns sein/ihr eigenes Profil, eigene Schwerpunkte und Kompetenzen. Auch wenn wir kein amtliches Siegel haben: Bei ökofinanz-21 sind VerbraucherInnen jedenfalls an der richtigen Adresse.

Ingo Scheulen, Vorsitzender von ökofinanz-21 e.V., beantwortete unsere Fragen. Foto: privat
Ingo Scheulen, Vorsitzender von ökofinanz-21 e.V., beantwortete unsere Fragen. Foto: privat

Worauf sollten Privatinvestoren achten, die ihr Geld nachhaltig anlegen möchten?

Zunächst sollten sie sich fragen, was sie mit ihrer Anlage erreichen wollen. Wozu soll mein Geld dienen? Wie wichtig sind mir bestimmte Werte? Bekomme ich ausreichend transparente und verständliche Informationen zu meiner Anlage? Passt das Investment (Sparplan, Fonds, Direktanlage oder Versicherung) zu mir und meinen Wünschen und Möglichkeiten? Wie wir alle wissen und fast täglich neu erfahren, wird oft gelogen und betrogen. Deshalb bieten wir uns als Lotsen an, beim Finden einer Lösung zu helfen.

Welche aktuellen Herausforderungen sehen Sie und was wünschen Sie sich in Sachen nachhaltige Geldanlagen für die Zukunft?

1) Eine der größten Herausforderungen (aktuell und für die nächste Zeit) ist die Fragilität unserer Systeme. Damit meine ich nicht nur die Erosion von Werten, die wir lange für selbstverständlich gehalten haben. Wenn demokratische Normen, Rechtsstaat und der Respekt gegenüber anderen in einigen Ländern planmäßig (oder schleichend) aufgegeben werden, wenn verantwortliche Politiker zu Hass, ja sogar zum Mord anstacheln, dann muss uns das sehr besorgt machen.

2) Das Ganze spielt sich vor dem Hintergrund des herrschenden Wirtschaftssystems ab, in dem der Profit auf Kosten anderer obenan steht. Die Macht globaler Finanzkraken hat immer neue Ausmaße erreicht. Die Finanz- und Bankenkrise hat uns an den Rand des Kollaps gebracht. Das kann jederzeit wieder passieren. Nicht wenige Fachleute sagen: Es wird passieren.
Hier braucht es deutlich mehr Widerständigkeit, Kontrollen und die Förderung von Alternativen. Geld ist immer Mittel zum Zweck. Wir setzen uns dafür ein, dass es für eine umfassend nachhaltige Entwicklung eingesetzt wird. Zum Glück gibt es mehr und mehr Alternativen und Bewegungen für ein Umsteuern. Der Finanzbereich, insbesondere die Finanzberatung hat hier noch sehr viel nachzuholen.

3) Last but not least: Klimawandel, Artenvielfalt, globale Gerechtigkeit usw. Eigentlich wissen alle, was zu tun ist. Aber es geschieht bei Weitem nicht genug. Das Engagement von ForestFinance zeigt, wie es gehen kann. Wir freuen uns, dass ForestFinance unser Netzwerk als Fördermitgliedschaft unterstützt.

Online Redaktion | Übersetzung | kristin.steffan@forestfinance.de

Kristin Steffan schreibt seit mehr als zehn Jahren für ForestFinance – am liebsten über Themen rund um Umweltpädagogik, Klimaschutz und Biodiversität.

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