Die neue Kohle: Wie Karbonisierung mit dem Schadholz in deutschen Wäldern aufräumt

Karbonisierung bietet eine sinnvolle Verwendungsmöglichkeit für Totholz aus deutschen Wäldern. Foto: ForestFinance/carbonauten

Brennholz und Holzkohle sind für über 50 Prozent des Weltholzverbrauches verantwortlich. Allein durch Holzkohleerzeugung gehen jährlich 400.000 Hektar Wald verloren. Der in Deutschland verbrauchten Holzkohle sind häufig illegal Tropenhölzer beigemengt. Importbeschränkungen für Holzkohle in die EU gibt es nicht, im Gegensatz zu sonstigem Tropenholz und Möbeln. Gleichzeitig liegt in deutschen Wäldern viel Schadholz herum, das anderweitig nicht mehr genutzt werden kann. Eine mögliche Lösung für beide Aspekte ist die Karbonisierung. Wir beantworten die wichtigsten Fragen dazu.

Was bedeutet Karbonisierung?

Die Hydrothermale Karbonisierung (HTC) ist ein chemisches Verfahren zur Herstellung eines Braunkohleersatzes unter Freisetzung von Energie.  

Die Ausgangslage: Das Kohle-Problem

Über 850.000 Tonnen Grill-Holzkohle nutzen wir Europäer im Jahr – oft aus schmutzigen Quellen. Um eine Tonne Grillkohle herzustellen werden zwischen drei und zwölf Tonnen Holz benötigt. Bei dieser ineffektiven Art der Holzkohleerzeugung wird nicht nur viel (Tropen-)Holz verbraucht, sondern es entweichen auch (Holz- und Pyrolyse-)Gase, die unter anderem stark klimaschädlich sind.

Vom Klimasünder zum Klimaretter

Die Verbrennung fossiler Kohle ist zurecht als Klimasünde verschrien. Nicht nur entstehen dabei schädliche Klimagase – es handelt sich auch um eine endliche Ressource, die auf natürlichem Wege tausende bis Millionen von Jahren zur Entstehung benötigt. Ganz anders die neue Kohle: Sie wird innerhalb von Stunden produziert und ist klimafreundlich.

Es geht auch umweltfreundlich!

Bei der von den carbonauten verwendeten Technik werden sämtliche Gase abgetrennt und zur Erzeugung regenerativer Energie verwendet. Zusätzlich wird durch die Nutzung von Holzreststoffen das Verrotten und Freisetzen des hochklimaschädlichen Methans verhindert.

Wo kommt das Holz her?

Stürme, extreme Dürren, überdurchschnittlich viele Waldbrände und Borkenkäferbefall: Der deutsche Wald leidet und die anfallenden Mengen an Schadholz werden größer. Die Karbonisierung bietet die Möglichkeit, das Schadholz in deutschen Wäldern sinnvoll zu nutzen; so werden abgestorbene Waldbestände, die nicht mehr anderweitig genutzt werden können, wirtschaftlich rentabel und ökologisch verwertet. Auch holzige Reste der Industrie können verwendet werden.

Umweltfreundlich Kohle erzeugen und dabei noch Energie gewinnen – wie funktioniert das?

Carbonauten-Gründer Torsten Becker erklärt es so: „Holzige Biomasse enthält Energie. Wird diese in sauerstofffreier Umgebung erhitzt, entsteht ab 200° C ein sogenanntes Pyrolysegas. Dieses entspricht einem schwachen Erdgas. Dieses ziehen wir ab und nutzen es mittels eines Brenners für die Beheizung der Biomasse. Da mehr Pyrolysegas erzeugt wird, als wir für die Karbonisierung brauchen, entsteht der Energieüberschuss. Bei der Karbonisierung entsteht zudem aus den Teeren des Biomasse sogenanntes Pyrolyseöl. Dieses hat einen Heizwert vergleichbar mit Erdöl und kann den Energieüberschuss noch erhöhen.“

Was wird aus der Kohle?

Die Einsatzmöglichkeiten der Bioholzkohle sind vielfältig. Die Verwendung als Grillkohle ist naheliegend, doch ist sie anderweitig nutzbar: zum Beispiel als Futterkohle, Bodenhilfsstoff (Terra Preta) oder auch in ganz anderer Form als Bestandteil neuartiger Materialien.
Futterkohle – Biokohlenstoffe, bzw. pflanzliche Kohlen (inkl. „Holzkohlen“ und „Aktivkohlen“), sind seit Jahrhunderten in vielen Kulturkreisen als Notfallbehandlung bei Vergiftungen von Tieren (und Menschen) bekannt. Durch den Einsatz von Biofuttermittelkohle ist es bereits mehrfach gelungen, Betriebe wie zum Beispiel Geflügelmastbetriebe antibiotikafrei zu bekommen.

Online Redaktion | Übersetzung | kristin.steffan@forestfinance.de

Kristin Steffan schreibt seit mehr als zehn Jahren für ForestFinance – am liebsten über Themen rund um Umweltpädagogik, Klimaschutz und Biodiversität.

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