Einfach mal abhängen!

Bei manchen steht die Welt nicht nur manchmal, sondern gleich immer Kopf. Wie etwa beim Faultier, dem wohl seltsamsten Tier des Regenwaldes.

Faultiere leben in Mittelamerika und dem Norden und Osten Südamerikas. Dabei gibt es zwei Faultiergattungen, das Zweifingerfaultier (Choloepidae) und das Dreifingerfaultier (Bradypodidae). Die Größe der Tiere variiert dabei zwischen ca. 50 cm und 80 cm. Alle Faultiere sind sogenannte Nebengelenktiere und besitzen zusätzliche Gelenke im Brust- und Lendenwirbelbereich. Ihre äußerst gelenkige Halswirbelsäule ermöglicht ihnen, den Kopf bis zu 180 Grad zu drehen. Ganz schön sportlich, oder?

Faultiere sind nur selten auf dem Boden anzutreffen.
Eher selten kommen Faultiere auf den Boden, wie dieses hier in unserem Kakaowald in Panama.

Fun Fact: In längst vergangenen Zeiten gab es sogenannte Riesenfaultiere, die ein Körpergewicht von vier bis sechs Tonnen erreichen konnten. Diese Vertreter lebten allerdings nicht auf Bäumen, sondern ausschließlich auf dem Boden. Da die Riesenfaultiere längst aussgestorben sind, muss sich auch niemand fürchten, einem King Kong in Slowmotion zu begegnen. Und falls doch, kann man sicherlich einfach schnell davonrennen.

Mit ihren bis zu siebeneinhalb Zentimeter langen Krallen können sich die Faultiere hervorragend an Äste hängen, ohne dabei herunterzufallen. Da sie dies besonders häufig und ausgiebig tun, hat sich im Laufe der Evolution ihr Körper und Fell an diese besondere Art der Fortbewegung angepasst. Anders als bei den meisten Säugetieren verläuft das Fell also nicht vom Rücken zum Bauch, sondern in die entgegengesetzte Richtung. So kann beim hängenden Faultier das Regenwasser leichter abfliesen.

Da Faultiere natürliche Fressfeinde haben, entwickelten sie eine besondere Form der Tarnung. In ihrem Fell wachsen Algen, die diesem eine leicht grün-gräuliche Färbung verpassen und damit die Faultiere im Dickicht des Regenwaldes fast verschwinden lassen. Zusätzlich sind sie den Tieren eine willkommene Mahlzeit, die lediglich vom Körper gezupft werden muss.

Nur das Dreizehenfaultier kommt ab und an auf den Boden, um sich zu erleichtern. Und da die Verdauung an die Geschwindigkeit des Tieres angepasst ist, passiert das nur ca. einmal wöchentlich. Das ist auch gut so, denn mit seinen langen Armen und Beinen kommt das Faultier hier nur schwerlich vorwärts und ist für Feinde ein leichtes Opfer.

Faultiere im Büro
Was der Hund im Büro in Deutschland, ist das Faultier in Panama.
Nein, Scherz beiseite, dieses neugierige Exemplar besuchte unsere Kollegen in Peru.

Steigt das Faultier vom Baum herab um sich zu erleichtern, schwirren die im Faultierpelz lebenden Motten aus, um ihre Eier in den Faultierkot zu legen. Geschlüpfte Exemplare wiederum huschen schnell in den warmen und feuchten Pelz. Der Kot der Motten und die verstorbenen Überreste einzelner Insekten bieten wiederum den Algen im Fell einen hervorragenden Nährstoff. Ein kleines und perfektes Ökosytsem im Faultier also!

Das Dreifingerfaultier ernährt sich ausschließlich von Laub. Nur das Zweifingerfaultier genießt auch ab und an Früchte, Insekten oder auch hin und wieder mal ein kleines Wirbeltier. Da Faultiere bis zu 20 Stunden täglich schlafen, verbringen sie den Rest des Tages mit dem Fressen von Blättern. In der Regel bewegen sie sich dabei nur sehr wenig und wandern seltener umher.

Obwohl das Faultier ein netter und friedlicher Geselle ist, wollen ihm einige Tiere an den veralgten Pelz. Gegen Raubtiere, Greifvögel und Schlangen kann sich das Faultier jedoch sehr gut mit seinen langen und scharfen Krallen wehren. Gegen den Menschen, der täglich mehr und mehr Regenwald und damit die Heimat der Faultiere abholzt, haben die Tiere allerdings keine Waffe. Daher ist es umso wichtiger, den bestehenden Regenwald zu schützen, um den beheimateten Tieren eine Heimat zu bieten.

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