Hier fliegen die Späne! Was eine deutsche Schreinerin im ForestFinance-Holzzentrum in Panama erlebte

Sylvia Ziegler stammt aus München und ist gelernte Schreinerin. Nachdem ein Freund die 28-Jährige darauf aufmerksam gemacht hatte, dass wir in Panama regelmäßig Unterstützung im Holzverarbeitungszentrum suchen, hat sie sich gemeldet und im Januar 2017 dort angefangen. Stefanie Holzmann von ForestFinance hat sie und ihren Kollegen auf Zeit, den 57-jährigen Schreinermeister Gerardino Jaramillo Carrera, der seit 3,5 Jahren zum Stammteam des Holzverarbeitungszentrums gehört, für uns interviewt.

Ein gutes Team: Sylvia Ziegler und Gerardino Jaramillo Carrera. Foto: ForestFinance
Ein gutes Team: Sylvia Ziegler und Gerardino Jaramillo Carrera. Foto: ForestFinance

Interview mit Sylvia Ziegler: „Dass ich eine Frau bin, war kein Thema“

Jetzt neigt sich unsere gemeinsame Zeit schon langsam dem Ende zu, Sylvia. Fast sechs Monate hast du unsere Schreinerei tatkräftig unterstützt. Wie sieht dein Fazit aus?

Es war eine ganz spannende Zeit, die sehr schnell vergangen ist. Es war ein wertvoller Austausch von Fertigkeiten und Fachwissen, sowohl fachlich als auch menschlich ein großer Zugewinn.

Was war die größte Herausforderung? Und was war die größte Panne?

Die größte Herausforderung war sicherlich die Sprache. Ich dachte, ich wäre ganz gut vorbereitet, nachdem ich bereits in Deutschland drei Monate intensiv Spanisch gelernt hatte. Dann habe ich aber doch gemerkt, dass ich sehr schnell an sprachliche Grenzen stoße. Das war rein arbeitstechnisch nicht so relevant, da wir hier alle das gleiche Handwerk beherrschen. Es braucht oftmals nicht vieler Worte, um das Anliegen des anderen zu verstehen.

Die größte Panne war tatsächlich auch sprachlich bedingt. Ich habe nämlich, nachdem sich meine Kollegen mit dem Vornamen vorgestellt hatten, ganz selbstverständlich die Du-Form im Spanischen verwendet. Erst im Nachhinein habe ich erfahren, dass es üblich ist, sich mit Vornamen und der Sie-Form anzusprechen. Aber ich glaube, das wurde mir verziehen.

Wie war es für dich, in Las Lajas zu leben?

Las Lajas ist ein recht kleiner Ort. Das war eine Umstellung, da ich zuvor zehn Jahre in München gelebt hatte. Hier gibt es zwar öffentliche Verkehrsmittel, die fahren aber nicht überallhin und auch nicht jederzeit. Das ist eine generelle Erfahrung, die ich hier gemacht habe, dass nicht alles zu jeder Zeit verfügbar ist. Es gibt mal keinen Strom, mal kein Wasser und bestimmte Güter gibt es nur im eineinhalb Busstunden entfernten David, im sieben Busstunden entfernten Panama City oder gar nicht. Aber auch das war mit einer etwas anderen Planung absolut machbar und eine wichtige Erfahrung.

Ran an das Holz! Eine weibliche Schreinerin? Kein Thema für unser Team in Las Lajas! Foto: ForestFinance
Ran an das Holz! Eine weibliche Schreinerin? Kein Thema für unser Team in Las Lajas! Foto: ForestFinance

Und wie war es für dich mit Panameños zu arbeiten?

Mit meinen panamaischen Kollegen zu arbeiten, war ein Traum. Ich wurde ganz offen empfangen und war vom ersten Tag an ein Teil des Teams. Was ich sehr genossen habe ist, dass ich hier völlig vorurteilsfrei aufgenommen wurde. Mit Europäern mache ich meist die Erfahrung, dass sofort thematisiert wird, dass ich ja eine Frau in einem „Männerberuf“ bin oder ich muss mich erst „beweisen“. Hier in der Werkstatt haben wir einfach angefangen zu arbeiten. Dass ich eine Frau bin, war kein Thema, das habe ich als sehr angenehm empfunden.

Du hast uns ja ganz viel mitgegeben, uns neue Arbeitstechniken und Möglichkeiten aufgezeigt. Was kannst du rein professionell gesehen von uns mitnehmen?

Ich habe hier erlebt, dass mit teils sehr einfachen Mitteln wirklich saubere Arbeiten gefertigt werden. Improvisation ist notwendig, weil eben nicht alles zu jeder Zeit verfügbar ist und deswegen eine andere Herangehensweise gewählt werden muss. In Europa sind wir maschinentechnisch gesehen sehr verwöhnt, wir haben sehr präzise, qualitativ hochwertige Maschinen, die Arbeitsprozesse erleichtern und beschleunigen. Hier braucht es seitens des Schreiners viel Einfallsreichtum und Geschick, um mit den vorhandenen Geräten das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Da habe ich von meinen Kollegen viele für mich neue Methoden kennengelernt.
Zuguterletzt bin ich wahnsinnig dankbar, wie herzlich ich aufgenommen wurde und dass meine Kollegen immer weiter mit mir gesprochen haben, obwohl das sehr anstrengend gewesen sein muss.

Interview mit Gerardino Jaramillo Carrera: „Wir haben uns alle gegenseitig motiviert“

Sylvia Ziegler und Gerardino Jaramillo Carrera haben gleichermaßen von der Zusammenarbeit profitiert. Foto: ForestFinance
Sylvia Ziegler und Gerardino Jaramillo Carrera haben gleichermaßen von der Zusammenarbeit profitiert. Foto: ForestFinance

Jetzt sind die Monate mit Sylvia schon fast vorbei. Sie hat euch alle unterstützt und euch mit Sicherheit ein paar hilfreiche Tipps und Tricks mit auf den Weg gegeben. Wir möchten natürlich nun auch von deiner Seite aus wissen, wie für euch die gemeinsame Arbeit mit einer Schreinerin aus Deutschland war. Was konntest du für Dich aus den letzten sechs Monaten mitnehmen?

Für mich war es eine ganz tolle Erfahrung. Ich hatte die Möglichkeit, eine sehr freundliche, respektvolle deutsche Schreinerin kennenzulernen. Die direkte Arbeit mit ihr hat mir ermöglicht, völlig neue professionelle Erfahrungen in der Schreinerei zu sammeln. Sylvia war immer sehr fokusiert und arbeitete unglaublich detailliert – immer gewillt, ihr Wissen weiterzugeben und mit uns zu teilen. Der Austausch war ehrlich sehr angenehm. Ich denke wir haben uns alle gegenseitig motiviert und durch ihre spezielle Arbeitsweise konnte ich neue Ideen sammeln und, ich denke, auch ich konnte ihr neue Anstöße geben.

Was war die größte Herausforderung für dich?

Ich würde sagen, unsere größte Herausforderung war die sprachliche Barriere. Sylvia spricht Spanisch, aber die Schreinerei ist noch einmal ein ganz anderes Arbeitsumfeld mit vielen neuen Wörtern, vielen Fachwörtern und hinzu kommt dann noch unser panamaischer Akzent.

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