Der Aufstieg der Pellets: Klimaschutz auf dem Holzweg?

Holz hat gegenüber fossilen Brennstoffen entscheidende Vorteile: Es ist klimaneutral und war lange Zeit wesentlich preiswerter als Heizöl. Vor allem aber wächst Holz nach und ist damit im Gegensatz zu den Erdölvorräten nicht endlich. Mit Holzpellets lässt sich also umweltfreundlich heizen. Ist Holz aber immer ein besonders sauberer nachwachsender Rohstoff? Leider nicht uneingeschränkt.

Pellets aus Sägemehl, das als Abfallprodukt im Sägewerk anfällt. Foto: ForestFinance
Pellets aus Sägemehl, das als Abfallprodukt im Sägewerk anfällt. Foto: ForestFinance

Am Anfang war das Feuer – ein Brennstoff mit Tradition

Die energetische Nutzung von Holz hat Tradition – sie begleitet den Menschen seit der Steinzeit. Trotzdem ist das Thema heute mindestens so aktuell wie damals, denn als nachwachsender Rohstoff ist Holz theoretisch unbegrenzt und überall verfügbar, was lange Transportwege überflüssig macht. Anders als fossile Brennstoffe ist Energieholz zudem nahezu klimaneutral, da bei der Verbrennung bloß die Menge CO2 abgegeben wird, die vom Baum beim Wachsen gebunden wurde. Das gilt natürlich nur, wenn nicht erst Wald gerodet wird, um Platz für Energieholzplantagen zu schaffen. Wenn Energieforste aber nachhaltig in Mischkultur bewirtschaftet werden, tragen sie sogar zum Erosions- und Wasserschutz bei.

Auch ForestFinance forstet in Kolumbien auf brachliegenden Flächen Acacia-mangium-Bäume auf, die unter anderem als Energieholz Verwendung finden. Die Baumart reichert den Boden mit Stickstoff an und bereitet ihn so auf eine spätere Bepflanzung mit einem Mischwald vor. Foto: ForestFinance
Auch ForestFinance forstet in Kolumbien auf brachliegenden Flächen Acacia-mangium-Bäume auf, die unter anderem als Energieholz Verwendung finden. Die Baumart reichert den Boden mit Stickstoff an und bereitet ihn so auf eine spätere Bepflanzung mit einem Mischwald vor. Ein geschlossener Kreislauf, für den kein Naturwald gerodet werden muss. Foto: ForestFinance

Klimafreundliches Heizen

Auch in Einfamilienhäusern lohnt sich der Einsatz von Holz zum Beheizen der Wohnung und ist längst nicht mehr so mühsam wie ehedem. Scheitholz-, Hackschnitzel- und Pelletheizungen sind heute in Privathaushalten leicht und komfortabel zu bedienen, das Material wird an die Haustür geliefert oder kann im Baumarkt besorgt werden. Von der klimafreundlichen Heizung profitiert nicht nur die Umwelt, sondern auch der Konsument, denn Pellets und Co sind weitgehend unabhängig von Heizöl- und Erdgaspreisen.

Das Heizen mit Pellets kann komplett klimaneutral sein. Grafik: Deutsches Pelletinstitut
Das Heizen mit Pellets kann komplett klimaneutral sein – wenn für den Anbau des Energieholzes keine Waldfläche gerodet wurde und nach der Holzernte die Fläche wieder aufgeforstet wird. Grafik: Deutsches Pelletinstitut

Nachhaltige Pellets – eine grüne Illusion?

Der Haken versteckt sich im Detail. Tatsächlich ist Holz bei der Verbrennung erst einmal klimaneutral, denn es wird nur so viel CO2 wieder freigegeben, wie der Baum zuvor beim Wachsen aus der Atmosphäre gebunden hat. Diese Rechnung geht aber nur auf, wenn das geschlagene Holz anschließend auch wieder durch neue Aufforstung ersetzt wird, so dass sich der Kreislauf wieder schließt. Werden die Pellets aus anderweitig nicht mehr verwendbarem Restholz oder aus Sägemehl gepresst, das ohnehin als Abfall im Sägewerk anfällt, dann ist diese Heizform wirklich nachhaltig. Tatsächlich aber ist die Nachfrage weltweit mittlerweile so stark gestiegen, dass ganze Wälder für die Pellets fallen. Wälder, die Unmengen an Kohlenstoff gebunden haben und von hoher Bedeutung für den Artenschutz sind.

Für Pellets fallen vor allem die Wälder des Nordens, die für den Klimaschutz unermesslichen Wert haben: Laut Greenpeace binden sie mehr Kohlenstoff als alle Regenwälder zusammen. Trotzdem stehen nur drei Prozent dieser Wälder unter Schutz. Video: Greenpeace

Pellets in Deutschland

Laut dem Deutschen Biomasseforschungszentrum hat die weltweite Pelletproduktion in den vergangenen zehn Jahren Fahrt aufgenommen: Von sechs bis sieben Megatonnen im Jahr 2006 stieg sie 2015/2016 auf 26 Megatonnen an, was nicht zuletzt an der Verwendung in Kraftwerken liegt. Auch in Deutschland haben die Pellets einen Aufschwung erlebt. Anfang 2016 waren in Deutschland schon circa 400.000 Pelletheizungen in Betrieb. Im Verbrauch liegen wir innerhalb der EU dennoch deutlich hinter Italien zurück. Anders bei der Produktion: Laut dem Deutschen Energieholz- und Pellet-Verband e.V. werden hierzulande jedes Jahr rund zwei Millionen Tonnen Pellets produziert. Damit sind die Deutschen in der EU Spitzenreiter. Glücklicherweise stammt das Material für diese Pellets in erster Linie aus Sägewerken, was auch an den strengen Umweltauflagen in Deutschland liegt. Die Kapazitäten sind noch nicht ausgeschöpft. Verbraucher hierzulande können ihren Pelletofen also guten Gewissens weiternutzen – umweltfreundlicher als fossile Brennstoffe sind die Pellets hier allemal.

Beim Einschnitt von Rundholz fallen Sägespäne an, die für die Pelletproduktion verwendet werden können. Foto: Deutsches Pelletinstitut
Beim Einschnitt von Rundholz fallen Sägespäne an, die für die Pelletproduktion verwendet werden können. Foto: Deutsches Pelletinstitut

Andere Länder, andere Regeln

Weit mehr Pellets werden jedoch in Nordamerika produziert. Im Jahr 2015 wurden dort alleine 35 Prozent der Gesamtmenge an Pellets weltweit hergestellt, während alle EU-Länder gemeinsam auf 54 Prozent kamen, so das Deutsche Biomasseforschungszentrum. Während in Deutschland der Holzeinschlag zurückgeht, fallen in Osteuropa und Nordamerika mehr und mehr Bäume. Umweltorganisationen wie Greenpeace schlagen Alarm, denn nur drei Prozent der borealen Wälder stehen unter Schutz. Für das Klima aber sind sie von immenser Bedeutung. Die aus dem dort gefällten Holz hergestellten Pellets landen nicht nur in den Öfen der Privathaushalte, deren Bedarf wohl problemlos mit Pellets aus anfallenden Abfallprodukten gedeckt werden könnte, sondern auch in Kraftwerken, wo riesige Mengen davon benötigt werden.

Der 3D-Animationsfilm der EnergieAgentur.NRW veranschaulicht die Produktion von Holzpellets – von der Anlieferung der Sägespäne bis zur Verladung der kleinen Presslinge in Silo-LKW. Video: EnergieAgentur.NRW

Rasantes Marktwachstum sorgt für neue Herausforderungen

Im Rahmen einer Studie zum Holzpellet-Markt in dreißig Ländern im Auftrag der Internationalen Energieagentur (IEA) bestätigten Wissenschaftler des Zentrums 2017, dass die steigende Holzpellets-Nachfrage auch zu Herausforderungen führt, sei es in Hinblick auf die Bereitstellung der Biomasse oder die nötige Infrastruktur. „Zahlreiche regulative Maßnahmen sind von Politik, Pellet-Konsumenten wie auch Technologie-Entwicklern bereits vollzogen worden, jedoch schwanken die Entwicklungen von Land zu Land teilweise erheblich“, schreibt das Biomassezentrum in einer Pressemitteilung. Optimierungspotential sei noch immer reichlich vorhanden – beispielsweise in Hinblick auf den Klimaschutz. Ob diese Chancen ergriffen werden, davon hängt es maßgeblich ab, ob die Pellets ein Segen oder ein Fluch für das Klima sein werden.

Die Pelletproduktion weltweit steigt rasant: Foto: Deutsches Pelletinstitut
Die Pelletproduktion weltweit steigt rasant: Foto: Deutsches Pelletinstitut

Die Studie  „Global Wood Pellet Industry and Trade Study 2017“ (243 Seiten) ist in englischer Sprache als PDF-Download verfügbar.

 

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