Forschung bei ForestFinance: Warum sich heimische Arten lohnen

Aufforstung mit heimischen Arten – lohnt sich das? Dieser Frage ist der Forstwissenschaftler Jefferson Hall mit seinen Kollegen beim Smithsonian Tropical Research Institute nachgegangen und haben dazu die Entwicklung verschiedener Baumarten auf unterschiedlichen Flächen untersucht – unter anderem auch auf den ForestFinance-Fincas in Chiriquí, Panama. Herausgekommen ist ein informatives und anschauliches Buch, das schnell und einfach darüber Auskunft gibt, welche heimische Arten auf welchem Standort gut funktionieren – und welche nicht. ForestFinance-Biodiversitäts- und Forstexpertin Sabine Wischnat hat Jefferson gefragt, welche Vorteile die Aufforstung mit heimischen Arten hat, wie sie von uns praktiziert wird und ob auch verarmte Flächen so genutzt werden können.

 

Würden Sie heimische Arten als die bessere Wahl für Wiederaufforstungsprojekte ansehen als schnell wachsende Arten und warum?

Es gibt eine Zeit und einen Ort für jede Art, abhängig von Ihrem Managementziel. Exoten können sich lohnen, aber wir beschäftigen uns mit der Wiederaufforstung einheimischer Arten. Wir sprechen von Smart Reforestation® und vom Pflanzen der richtigen Art zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, aus dem richtigen Grund. Teak ist eine der am häufigsten gepflanzten exotischen Arten in Panama (und eine der am meisten gepflanzten in den Tropen). Die Baumart ist nicht in Panama heimisch und wächst am besten auf Böden mit hohem Fruchtbarkeitsniveau, die lehmig (gute Mischung aus Sand, Schluff und Ton) und nicht sauer (hoher pH-Wert) sind. Einer der Gründe, warum Teak in vielen Gebieten Panamas so schlecht gewachsen ist, ist, dass die Bäume nicht auf den entsprechenden Böden gepflanzt wurden. Es gibt jedoch eine Reihe von einheimischen Arten – darunter auch hochwertige Holzarten –, die auf unfruchtbaren und/oder degradierten Standorten gut wachsen können.

Klimawandel nicht als Ausrede missbrauchen

Ist der Klimawandel ein Risiko für die Wiederaufforstung und was könnte Ihrer Meinung nach getan werden, um die Widerstandsfähigkeit der Plantagen zu erhöhen?

Es ist wahrscheinlich kein großes Risiko, solange die Menschen über das zukünftige Klima nachdenken, wenn sie pflanzen. Nach meinem Verständnis besteht Einigkeit darüber, dass es in Zukunft aufgrund des Klimawandels zu mäßiger Austrocknung oder etwas weniger Niederschlägen kommen kann. In Gebieten mit mäßigen Niederschlägen ist es daher am besten, über die Anpflanzung von Bäumen nachzudenken, die in längeren Trockenzeiten gut gedeihen können oder eine effiziente Wassernutzung ermöglichen. Es gibt viele Möglichkeiten. Deshalb würde ich den Klimawandel nicht als Vorwand nehmen, um in Panama nicht wieder aufzuforsten. Es geht darum, die richtige Art zu finden.

Das Handbuch von Jefferson Hall und seinen Kollegen gibt übersichtlich Aufschluss über die Bedürfnisse in Panama heimischer Baumarten: hier Cocobolo, eine Baumart, die auch von ForestFinance gepflanzt wird. Quelle: Guide to early growth and survival in plantations of 64 tree species native to Panama and the Neotropics"
Das Handbuch von Jefferson Hall und seinen Kollegen gibt übersichtlich Aufschluss über die Bedürfnisse in Panama heimischer Baumarten: hier Cocobolo, eine Baumart, die auch von ForestFinance gepflanzt wird. Quelle: Guide to early growth and survival in plantations of 64 tree species native to Panama and the Neotropics

 

Gibt es messbare Auswirkungen von Aufforstungsaktivitäten auf die Wasserressourcen und das Mikroklima und unterscheiden sich die Auswirkungen je nach gepflanzter Baumart?

Ja, aber es ist kompliziert. Wir haben Beweise dafür, dass Wälder helfen können, den Stromfluss zu regulieren. In unseren Versuchsgebieten haben bewaldete Wassereinzugsgebiete eine höhere Trockenzeitströmung als abgeholzte Wassereinzugsgebiete. Wir haben auch Beweise dafür, dass Wälder die Auswirkungen großer Stürme reduzieren können. Wir haben noch nicht genügend Daten, um etwas über die Fließgewässer mit Wiederaufforstung an unserem Standort zu sagen, aber wir haben Beweise, dass die Wiederaufforstung das Einsickern von Wasser in den Boden verbessern kann. Dies ist ein Schlüsselmechanismus. Hinsichtlich der Auswahl der Arten gibt es Gattungen, die viel mehr Wasser verbrauchen als andere. Zum Beispiel verbraucht der Teakbaum viel Wasser und lässt seine Blätter nicht fallen, bis er starken Wassermangel erleidet (also nutzt er das Wasser im Boden). Cocobolo (Dalbergia retusa) ist sehr wassersparend (verbraucht also weniger Wasser pro Einheit gebundenen Kohlenstoff als viele andere Arten).

 

Ein Mitarbeiter unseres Forstdienstleisters in Panama mit einem jungem Cocobolo (Rosewood) auf der ForestFinance-Finca La Relojera, Darien. Foto: ForestFinance
Ein Mitarbeiter unseres Forstdienstleisters in Panama mit einem jungem Cocobolo (Rosewood) auf der ForestFinance-Finca La Relojera, Darien. Foto: ForestFinance

 

Heimische Arten für karge Böden

Ist es möglich, degradiertes Land durch Wiederaufforstung zu renaturieren? Was sind die größten Herausforderungen?

Ja. Die Herausforderungen sind dreigeteilt.

1. Anpflanzung der richtigen Art zur richtigen Zeit usw.,

2. Sicherstellung eines ausreichenden Brandschutzes. Wahrscheinlich sind Millionen von Dollar an Aufforstungsmaßnahmen in Panama wegen des Fehlens eines angemessenen Brandschutzplans in Flammen aufgegangen. Das Anpflanzen von Bäumen auf degradierten Flächen wird wahrscheinlich einen längerfristigen Brandschutz erfordern, als dies auf guten Böden notwendig ist.

3. Die Erwartungen anpassen. Obgleich einige Arten auf unfruchtbaren oder degradierten Flächen relativ gut wachsen können, können sie je nach Grad der Verarmung auch langsamer wachsen. Solange die Menschen keine unrealistischen Vorstellungen haben und ihre Anstrengungen aufgeben, können und werden sie wachsen. In unseren eigenen Versuchsplantagen haben wir festgestellt, dass Cocobolo in den sechs Jahren unserer Wachstumsversuche gut auf unfruchtbaren Böden wächst. Es handelt sich um eine sehr hochwertige Holzart. Also könnte es eine gute Möglichkeit sein, darüber nachzudenken. Es kann am Ende etwas länger dauern, bis ertragreiche Größen erreicht sind, doch ist es dennoch eine sehr interessante Art.

Das Handbuch "Guide to early growth and survival in plantations of 64 tree species native to Panama and the Neotropics" können Sie bei uns als PDF kostenlos herunterladen. Cover: Smithsonian Institute
Das Handbuch über heimische Arten „Guide to early growth and survival in plantations of 64 tree species native to Panama and the Neotropics“ können Sie bei uns als PDF kostenlos herunterladen. Copyright: Smithsonian Institute
Online Redaktion | Übersetzung | kristin.steffan@forestfinance.de

Kristin Steffan schreibt seit mehr als zehn Jahren für ForestFinance – am liebsten über Themen rund um Umweltpädagogik, Klimaschutz und Biodiversität.

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