Hoffnung aus Holz: Mit Holzgebäuden das Klima retten

Eine romantische Blockhütte am See – wer kommt da nicht ins Schwärmen? Gebäude aus Holz sind nicht nur Sehnsuchtsorte für Stadtflüchtlinge im Urlaub. Gerade in Ballungsräumen und Großstädten gilt Holz mehr und mehr als Baustoff der Zukunft: Eine Holz-Revolution in der Bau-Branche könnte laut einer Studie den globalen CO-Ausstoß um 14 bis 32 Prozent senken. Was ist dran an der Hoffnung aus Holz?

Gebäude aus Holz. Holz ist ein vielversprechender Baustoff.
Hochhaus statt Blockhütte: Holz ist ein vielversprechender Baustoff, auch in den Großstädten der Zukunft. Foto:pixabay

Wachsende Bedrohung im Bausektor

Wenn es um schädliche Klimafolgen geht, stehen in aktuellen Debatten vor allem Automobilindustrie und Landwirtschaft in der Kritik. Verhältnismäßig wenig Wind wird bislang um den Bausektor gemacht. Doch die Bevölkerung wächst – und zwar weltweit. Bevölkerungswachstum und Verstädterung führen dabei zu einer enormen Nachfrage nach neuen Gebäuden für Wohnraum und Gewerbe – und damit auch nach Stahl- und Zement für den Bau ebendieser. Der Bausektor ist global für ein Drittel der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Allein die Zementindustrie stellt ein Riesenproblem für den Klimaschutz dar: Sie produziert knapp acht Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen. Die Herstellung von Stahl und Zement wird weiterhin eine Hauptquelle von klimabelastenden Treibhausgasen bleiben, wenn nicht radikal umgesteuert wird – das macht eine neue Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PKI) deutlich.

Doppelter Nutzen fürs Klima

Die WissenschaftlerInnen des PKI stellten innerhalb eines internationalen Experten-Teams die Frage: Kann man die potenzielle Bedrohung im Bausektor in ein wirksames Mittel zur Eindämmung des Klimawandels verwandeln? Und kamen zu dem Ergebnis: Ja, man kann. Eine Revolution im Städtebau, die Zement und Stahl durch Holz ersetzt, könnte sogar einen doppelten Nutzen für die Klimastabilisierung haben.

Für ihre Studie haben die ForscherInnen vier verschiedene Szenarien in einem möglichen Zeitraum von 30 Jahren untersucht. Im ersten Szenario bleibt alles beim Alten: Es wird davon ausgegangen, dass bis 2050 weiterhin nur 0,5 Prozent der Neubauten mit Holz gebaut werden. Im zweiten und dritten Szenario steigt der Holzanteil auf 10 beziehungsweise 50 Prozent, was eine entsprechende Massenproduktion von Holz erfordern würde. Das letzte und extremste Szenario geht davon aus, dass auch Länder mit einem geringen Industrialisierungsgrad auf Holzbauten umsteigen könnten – unter diesen Umständen schätzen die WissenschaftlerInnen das Potenzial des Holzanteils in Neubauten auf bis zu 90 Prozent.

Die zentrale Fragestellung der Studie betraf stets, zu welchen Kohlenstoffeinsparungen die untersuchten Szenarien führen könnten: Die Spanne liegt zwischen 10 Millionen Tonnen im niedrigsten Szenario und fast 700 Millionen Tonnen weniger Emissionen im höchsten Szenario. Darüber hinaus würde der Ausstoß von Treibhausgasen aus der Stahl- und Zementproduktion durch den Bau von Holzgebäuden langfristig um mindestens die Hälfte reduziert.

Doppelter Klimaretter Holz: Treibhausgasemissionen aus der Zement- und Stahlproduktion werden vermieden und gleichzeitig Gebäude in Kohlenstoffsenken verwandelt. Foto: pixabay

Material der Zukunft

Schon heute setzen immer mehr Bauunternehmen auf den Baustoff Holz. Kein Wunder: Sogenanntes „engineered wood“, also technisch verarbeitetes Holz, wie etwa Brettschichtholz, ist an die Ansprüche beim Bau bestens angepasst. Auch Sorgen rund um das Thema Brandschutz haben die WissenschaftlerInnen in ihrer Studie widerlegt und zeigen: Große Bauhölzer sind bei richtiger Verwendung vergleichsweise feuerbeständig – ihr innerer Kern wird beim Verbrennen durch das Verkohlen ihrer äußeren Schicht geschützt, sie brennen dadurch kalkulierbarer ab, als so manche Stahlkonstruktion.

Klimaziel oder Utopie?

Grüne Bauprojekte schießen deshalb zur Zeit vermehrt aus dem Boden. Der englische Fußballverein Forest Green Rovers plant beispielsweise das „grünste Fußballstadion der Welt“: Ende letzten Jahres erhielt der Verein die Baugenehmigung für das Stadion, das 5000 Plätze haben wird und in der Grafschaft Gloucestershire im Südwesten Englands gebaut werden soll.

Es wird das erste reine Holz-Fußballstadion sein, das kohlenstoffarme Bauweisen und Betriebsprozesse verkörpert. Fast alle Elemente werden aus nachhaltig gewonnenem Holz hergestellt.

In Kopenhagen ist sogar ein ganzer Stadtteil geplant: Auf einer ehemaligen Deponie mit einer Fläche von rund 18 Hektar sollen fast 4000 Bewohner Platz finden – die geplanten Gebäude: alle aus Holz und Recyclingmaterialien.

Auch in Deutschland findet ein Umdenken statt: Die Stadt Tübingen hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 klimaneutral zu sein. Oberbürgermeister Palmer will deshalb die Holzbauweise in Tübingen bis zum Jahr 2030 Jahr zur Pflicht machen: 

Waldschutz und nachhaltige Forstwirtschaft stehen an oberster Stelle

So gut das alles in der Theorie auch klingt – damit die positiven Effekte einer „Holzrevolution im Bausektor“ auch wirklich eintreten, müssen zwei Bedingungen erfüllt sein.

Erstens: Es muss darauf geachtet werden, dass das Holz auch bei steigender Nachfrage aus nachhaltigem Anbau stammt: „Wenn der Einsatz von Bauholz stark gesteigert werden soll, ist der Schutz der Wälder vor nicht nachhaltiger Abholzung und einer Vielzahl anderer Bedrohungen entscheidend wichtig“, betont Co-Autor Christopher Reyer vom PIK. In verschiedenen Simulationsmodellen berechneten die WissenschaftlerInnen, dass theoretisch die derzeit ungenutzten Potenziale der weltweiten Holzernte den Bedarf des 10-Prozent-Holz-Szenarios decken könnten. Sogar der Bedarf des 50- und 90-Prozent-Holz-Szenarios könnte gedeckt werden – sofern die Bodenfläche pro Person in Gebäuden weltweit nicht steigen, sondern auf dem aktuellen Durchschnitt bleiben würde. Die Studie ermahnt den Fokus auf nachhaltige Forstwirschaft zu legen: 

„Unsere Vision für eine nachhaltige Bewirtschaftung und Regulierung könnte aber die Situation der Wälder weltweit tatsächlich sogar verbessern, da diesen dann ein höherer Wert zugemessen wird“

so Reyer.

Zweitens: Zur Berechnung der Klimabilanz eines Gebäudes muss nicht nur die Herstellung seiner Baustoffe, der Bau selbst und die anschließende Nutzung miteinbezogen werden, sondern auch der Abriss. Um ein positives Ergebnis zu erzielen, muss das bereits vorhandene Holz wiederverwendet, also recycelt werden.

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