Aussteigen bitte! Raus ins Grüne mit Bus und Bahn

Lieber paddeln als googeln. Das Team von naturtrip.org ist schon draußen, wenn andere noch nach Tipps suchen.

 

Während Trump für Kohle und Wählerstimmen das Klima weiter anheizt, haben andere Menschen richtig gute Anliegen und kreative Ideen, um der Umwelt zu helfen. Das Beste daran: Ganz nebenbei machen sie damit  die schönen Seiten des Lebens noch schöner. Wie die Macher von www.naturtrip.org. Ihre Idee: Online ein Ausflugsziel aussuchen, dann nur noch raus aus dem Auto, rein in Bus und Bahn und schnell und unkompliziert ins Grüne, Museum, Wellnessparadies oder wohin auch immer es richtig schön ist!

Von A nach (fast) überall

Das Berliner Startup naturtrip.org bringt uns fein raus: Unentschlossene ebenso wie zielstrebige Ausflugswillige, die schon genau wissen, wo es hingehen soll, werden auf naturtrip.org fündig. Für alle gilt: Einfach Standort auf der Startseite angeben und schon eröffnen sich zahlreiche Möglichkeiten. Dann noch bestimmen, wie lang die Anfahrtszeit sein darf oder sich von der Kategorien-Liste inspirieren lassen, ob das Ausflugsziel ein Restaurant, Café, die Natur oder doch lieber ein kulturell bedeutsamen Ort sein soll, ob es auch für Kinder spannend sein muss, wo man schön oder auch mal anders übernachten kann und will usw. – und schon kann das Auto in der Garage bleiben und die Welt mit Bus und Bahn entdeckt werden.

„Wir wollen es den Leuten einfacher machen, das Auto stehen zu lassen“

Das Auto in der Garage lassen und die Welt klimafreundlich erkunden, ist das Ziel von Naturtrip.org. „Wir glauben – anders als bei Routinewegen im Alltag – ist man bei Ausflügen flexibler bei der Wahl des Verkehrsmittels“, erklärt Hermann Weiß, einer der Gründer. „Die meisten, die ein Auto vor der Tür stehen haben, kommen allerdings gar nicht auf die Idee, auf bahn.de zu schauen oder auf einer ÖPNV-App, ob zu ihrem Ausflugsziel auch ein Zug oder Bus fährt. Die steigen automatisch ins Auto ein.“

Naturtrip macht es aber nicht nur Autofahrern leicht, ihr Gefährt mal nicht aufs Klima loszulassen. Jeder, der nach einem schönen Ausflugsziel sucht, wird auf naturtrip.org fündig. Denn naturtrip.org hat viele Vorschläge für schöne Ausflüge in petto – und präsentiert diese gleichzeitig mit den ÖPNV-Anreisemöglichkeiten.

 

Auf der Karte sieht man, wohin die Reise geht und darunter mit welchem Verkehrsmittel. Sogar Informationen zum Ausflugsziel selbst, zu Öffnungszeiten, Historie, Umgebung etc. werden auf naturtrip.org gegeben.

Freizeitplanung ohne Auto wird zum Kinderspiel

Die Naturtrip-Macher wissen um die Nachteile der öffentlichen Verkehrsmittel: „Viele Ausflugsziele sind mit ÖPNV nur umständlich mit vielen Umstiegen und langer letzter Meile zu erreichen. Aber bei vielen anderen geht es eben sehr schnell und unkompliziert. Wir zeigen immer nur die Ausflugsziele an, die gut – also mit schneller Verbindung, wenigen Umstiegen und kurzem Fußweg  mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind. Freizeitplanung ohne Auto wird so zum Kinderspiel. Man gibt nur beispielsweise ‚Kletterwald in maximal 50 Minuten’ ein und schon ploppen alle Klettergärten auf, die momentan gut zu erreichen sind. Das sind oft vormittags andere Klettergärten als nachmittags. Je nachdem, zu welchen Klettergärten gerade Busse oder Züge fahren“, erklärt Weiß.

 

Klima schonen mit Hightech und hohen Erwartungen

Finanziert wurde Naturtrip.org zwei Jahre lang, bis Ende 2016 vom Bundesumweltministerium und zwar im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative. Ziel ist, das Angebot, das momentan nur für Berlin und Brandenburg existiert, bundesweit einzuführen. „Wenn naturtrip.org deutschlandweit zu nutzen ist, können jährlich tausende Tonnen Kohlendioxid vermieden werden, weil das Auto dann immer häufiger in der Garage bleibt“, hofft Weiß. Dafür müssen die Verkehrsbetriebe aller Städte und Gemeinden mitmachen und ihre Daten zur Verfügung stellen, wie der Verkehrsverbund Berlin. Er hat die Rohdaten zu Bussen, Zügen, Straßen-, S- und U-Bahnen freigegeben und Naturtrip hat es geschafft, die nötige Software zu organisieren, um mit diesen riesigen Datenmengen umzugehen und mehrere Millionen Abfragen pro Sekunde zu bewältigen. „Man kann sich das ungefähr so vorstellen“, erklärt Hermann Weiß: „Die Software scannt innerhalb von Sekunden mehrere Millionen Bus- und Bahnverbindungen, Haltestellen, Bahnhöfe, Straßen und Kreuzungen und verknüpft sie mit den Daten der Freizeitziele – deren Fotos, Texte und Geodaten –, sodass das am Ende eine Route für den User sichtbar wird.“

 

Hermann und Judith von Naturtrip.org, zuständig für Kommunikation und Projektmanagement, wollen so vielen Menschen wie möglich den guten, klinafreundlichen Weg ins Grüne ebnen.

Unser Fazit: Da geht noch was!

Die Idee, dass jeder auch ohne Auto richtig gut wegkommen kann, finden wir großartig. Was uns aber noch fehlt: Zwar werden die Abfahrtszeiten, Umstiege und Ankünfte sehr übersichtlich und detailliert genannt, aber leider nicht die Preise für die Tickets oder Tipps, ob es Sparpreise, Gruppenkarten oder andere Angebote gibt, mit denen man Eintritt und ÖPNV-Ticket günstig kombinieren kann. Auf unsere Nachfrage hin, bekamen wir aber die Auskunft, dass wohl sehr bald über naturtrip.org sogar Tickets gekauft werden können! Da braucht’s also nur noch ein wenig Geduld.

Schade auch, dass naturtrip.org momentan nur in Berlin und Brandenburg funktioniert. Aber sobald das Prinzip dort gut angenommen wird und erfolgreich ist, bestehen gute Chancen, dass das Projekt bundesweit angeboten und vielleicht sogar zu einer Plattform wird, auf der wir alle uns austauschen und uns Tipps geben können, wo es gerade besonders schön ist. Das können Berliner nämlich jetzt schon: Einfach einen Ausflugstipp vorstellen, Fotos einpflegen und andere an den eigenen Entdeckungen teilhaben lassen. Mit Naturtrip.org kann dann jeder ganz klimafreundlich und unkompliziert den Trip dahin planen. Einfach mal aussteigen, aus dem Auto, dem durchgetakteten Alltag und den tristen Trump-Dekreten trotzen.

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