Der Klang des gerodeten Waldes – Instrumente aus illegalem Tropenholz

Edle Gitarren setzen auf Mahagoni und Palisander, Holzblasinstrumente wie Klarinetten oder Oboen bestehen aus Grenadill und Geigen schmücken sich mit Griffbrettern aus hartem Ebenholz. Für hochwertige Instrumente gibt es nur dann einen Markt, wenn sie aus edlen Hölzern gefertigt sind. Das Problem: Die meisten dieser Hölzer stammen aus illegalem Holzhandel und eine Baumart nach der anderen ist vom Aussterben bedroht. ForestFinance-Redakteurin Janina Mai, selbst Gitarristin, erklärt, wo die Probleme liegen und welche Möglichkeiten Musikern und Märkten bleiben. 

Besondere Schwingungen, seltene Hölzer

Das Geheimnis um Hölzer im Instrumentenbau beschäftigt Musikliebhaber und Materialforscher gleichermaßen. Die Frage um die genaue Holz-Beschaffenheit der berühmten Stradivari-Geige erhitzt seit Jahren die Gemüter, denn nicht nur die Holzart beeinflusst Tonvolumen und Klangfarbe maßgebend, sondern auch wie und wo das Holz gewachsen ist. Was man über Klanghölzer allerdings sicher sagen kann, ist, dass sie meist von langsam wachsenden Baumarten stammen, deren Holz dementsprechend eine hohe Dichte aufweist.

Oft wird das Holz vor der Verarbeitung viele Jahre lang gelagert und luftgetrocknet, um sicherzugehen, dass möglichst alle Spannungen im Holz abgebaut worden sind. Je nach Instrument und Verwendungszweck werden unterschiedliche Holzarten bevorzugt: Palisander und Ebenholz eignen sich beispielsweise gut für die Verarbeitung in Griffbrettern, da sie eine ganz besonders hohe Dichte haben und der starken Beanspruchung an dieser Stelle gut standhalten.

Nicht nur die schwarzen Tasten des Klaviers bestehen aus Ebenholz, auch Griffbretter von Streichinstrumenten greifen auf das dunkle Hartholz zurück. Foto: flickr.com / Steven Snodgrass

Viele Hersteller der Branche bauen auf langjährige Tradition. Die Maßstäbe, die für die ersten Konzertgitarren Anfang des 19. Jahrhunderts galten, werden auch heute oft noch angesetzt. Damals wurde allerdings massenhaft tropisches Holz aus Kolonien eingeschifft, heute sind die Bestände fast überall erschöpft. Ebenholz ist ein gutes Beispiel dafür, in welch prekärer Situation eigentlich alle Hölzer sind, die wir als selbstverständlichen Bestandteil unserer Instrumente empfinden: Es ist nur noch aus Altbeständen und einem einzigen Land der Welt zu beziehen, nämlich aus Kamerun. Früher kamen die Stämme aus Madagaskar, Afrika, Sri Lanka und Indien, doch schon im 20. Jahrhundert waren weltweit die meisten Ebenholz-Bestände verbraucht, der Handel mit Hölzern aus diesen Regionen wurde streng untersagt.

Raubbau für die Kunst

Viele Händler ignorieren den Raubbau, der hinter und in ihren Kunstwerken steckt. Im Jahr 2011 geriet die Firma Gibson, einer der größten Gitarrenhersteller der Welt, erneut in Verruf: Bei einer Durchsuchung fand man illegal importierte Hölzer aus Madagaskar und Indien. Bereits 2009 hatte das Unternehmen mit Sitz in Nashville, Tennessee gegen den in den USA seit 2008 geltenden Lacey Act verstoßen, der den Handel mit Hölzern reguliert, die in ihrem Ursprungsland bedroht sind. Mit einer aggressiven Öffentlichkeitskampagne versuchte Gibson nicht nur die laufenden Untersuchungen zu beeinflussen, sondern auch das neue Gesetz zu seinen Gunsten aufzuweichen

In Europa gilt seit 2013 die EU-Holzhandelsverordnung. Sie verbietet, Holz und Holzerzeugnisse aus illegalem Einschlag auf dem EU-Binnenmarkt in Verkehr zu bringen. Leider scheitert das Gesetz viel zu oft in der Umsetzung: Niedrige Strafen oder gar keine Kontrollen sind auch in Europa die Regel.

Wenn doch mal eine neue (Tropen-)Holzart ins Spiel kommt, steht ihr oft bald das gleiche Schicksal bevor wie ihren Vorgängern. Das afrikanische Hartholz Bubinga zum Beispiel ist im Vergleich zu Palisander und Co noch gar nicht lange auf dem Instrumenten-Markt zu finden, benutzt wird es in der Verarbeitung von Schlagzeugkesseln oder Klangkörpern verschiedenster Saiteninstrumente. Die traurige Tropenholz-Leier wiederholt sich auch hier: Das Holz wird dort abgeholzt, wo es wächst, die Nachfrage ist riesig und früher oder später ist die nächste Art vom Aussterben bedroht. Seit Jahrzehnten wird mehr Tropenholz abgebaut, als nachwachsen kann. 

Bubinga erkennt man an seiner starken und dekorativen Maserung. Es hat einen definierten und klaren Klang. Im Bild ist ein Ausschnitt eines E-Basses zu sehen. Foto: flickr.com/ Chilanga Cement

Im Bürokratiedschungel

Seit Anfang des Jahres 2017 steht deshalb auch Bubinga unter strengen Artenschutzbedingungen. Es wurde gemeinsam mit allen bislang noch ungeschützten Palisander-(Unter)Arten in die CITES-Liste („Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora“) aufgenommen, die den Handel mit bedrohten Arten regulieren soll.

Für viele Schlagzeug- und Gitarrenbesitzer wird es nun kompliziert, denn die Regelung betrifft nicht nur Großhändler und Hersteller, sondern auch Privatpersonen, die sich für den Kauf- oder Verkauf eines betroffenen Instruments interessieren. Will man, ob nun privat oder gewerblich, ein Instrument mit ebenjenen Holzanteilen verkaufen, braucht man eine sogenannte Vorerwerbsbescheinigung einer zuständigen Behörde. Auf Vintage-Liebhaber und Sammler kommt ein erheblicher Verwaltungsaufwand zu, auch die Behörden sind mit den Auflagen oft noch unvertraut und ob es tatsächlich zu Ahndungen und Strafen im gewerblichen Bereich kommt – das bleibt wohl weiterhin fraglich.

Nachhaltig Musizieren: Forschung und Veränderung

Zertifikate und Richtlinien für internationalen Handel sind zumindest ein Anfang. Um dem weltweiten Raubbau im Namen der Musik wirklich etwas entgegenzusetzen, braucht es jedoch vor allem ein Umdenken in den Köpfen.

Als Vorreiter in Sachen nachhaltiger Gitarrenbau hat sich in den letzten Jahren insbesondere der amerikanische Hersteller Taylor hervorgetan. In Kamerun setzt sich das Unternehmen für nachhaltigen Ebenholzanbau ein und bezieht das aktuelle Holz seiner Instrumente von einer eigens gegründeten Firma und einem Sägewerk vor Ort – das hält die Wertschöpfungskette so kurz und transparent wie möglich. B-Ware mit unregelmäßigen Maserungen, die sonst gefällt und ungenutzt im Wald liegen bleibt, wird bei Taylor trotzdem verwendet. Da der Hersteller mittlerweile einen erheblichen Teil des legalen Kamerun-Ebenholzmarktes mitbestimmt, führt dies auch zu einem Umdenken bei den Kunden: makelloses Schwarz ist mittlerweile kein Kriterium mehr für besonders edles Ebenholz.


Einblicke in die Welt des nachhaltigen Gitarrenbaus: Das Fachmagazin Gitarre&Bass zu Gast bei Taylor Guitars.

Das Umdenken der Branche muss allerdings weiterführen: So gut Palisander und Co sich auch eignen mögen für Klangkörper und Griffbretter – die Ressourcen sind begrenzt, unsere Nachfrage ist zu groß und der Schaden in den Ursprungsländern für Biodiversität und Klima irreparabel. Es ist also höchste Zeit, sich nach Alternativen umzusehen.

Ein Forschungsprojekt unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Alexander Pfriem der TU-Dresden beschäftigt sich schon seit Jahren mit Instrumenten und ihren Materialien. Eine besondere Rolle spielt die Holzmodifikation: Das Forschungsprojekt hat sich zum Ziel gesetzt, Hölzer so zu verändern, dass sie den Erfordernissen des Musikinstrumentenbaues besser entsprechen als unmodifiziert. Durch thermische Modifikation können beispielsweise bestimmte Hölzer, die bisher für den Einsatz in Musikinstrumenten nicht geeignet waren, verwendet werden – wie unsere heimische Rotbuche. Im natürlichen Zustand ist die Rotbuche nämlich ein eher schlechtes Klangholz, sie dämpft Schall extrem und ist anfällig für Veränderungen der Luftfeuchtigkeit und Temperatur. Mithilfe eines chemisch-mechanischen Verfahrens wurde nun aus Buchenholz ein Material entwickelt, das ähnlich wie Ebenholz als Griffbrett im Streichinstrumentenbau eingesetzt werden kann.

 

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