„Die Zeit für halbherzige Kompromisse ist eindeutig vorbei.“ – Julian Ekelhof von CO2OL im Interview zur COP23

Die Klimakonferenz in Bonn steht bereits in den Startlöchern – die Erwartungen sind groß. Aber welche Veränderungen haben uns die Klimakonferenzen bislang gebracht? Und welche Rolle spielt das Ganze für Unternehmen?

Hier in Bonn schreitet zumindest ein Unternehmen direkt zur Tat, noch bevor die Konferenz überhaupt begonnen hat. So findet am Wochenende vor der großen Klimakonferenz in der Bundesstadt die Veranstaltung „Bonn leuchtet“ statt, die alle Sehenswürdigkeiten hell und bunt erstrahlen lässt. CO2OL, unsere Spezialisten für betrieblichen und privaten Klimaschutz, sorgt dafür, dass dieses Ereignis klimaneutral und umweltfreundlich wird. 

Maike Reinhardt von City-Marketing Bonn e. V., der Organisatorin des Bonn-Festes und des Bonn-leuchtet-Events, interviewt Julian Ekelhof von CO2OL auf der Bühne des Bonn-Festes. Foto: Christine Sommer-Guist

„Wenn im November die ganze Welt nach Bonn guckt zum Thema Klimaschutz, und kurz vorher mit ‚Bonn leuchtet‘ so eine tolle Atmosphäre hier in der Stadt ist, da macht es natürlich Sinn, beides miteinander zu verbinden“, …

… lautete Julian Ekelhofs Antwort auf die Frage, wie es zur Kooperation zwischen „Bonn leuchtet“ und CO2OL kam. Gestellt wurde sie dem Director Climate Solutions bei CO2OL im Interview auf einer der Bühnen des Bonn-Festes, bei dem schon Werbung für das nächste große Event „Bonn leuchtet“ gemacht wurde. Das Bonn-Fest-Interview können Sie hier sehen, die Antworten des CO2OL-Klimaschutz-Experten auf unsere Fragen zur Bedeutung der Klimakonferenz für Unternehmen, zu neuen Strategien und zur Hoffnung auf mehr Kompromisslosigkeit in diesem Beitrag lesen:

 

Der weite Weg von Paris nach Bonn

Die Klimakonferenz findet nun bereits zum 23. Mal statt. Wie viele Veränderungen der letzten Jahre können eigentlich auf hier beschlossenen Ziele zurückgeführt werden?

Fest steht, dass seit Beginn der Klimakonferenzen, die als Folge des Umweltgipfels in Rio de Janeiro 1992 entstanden, wesentlich mehr diskutiert und angestrebt, als tatsächlich umgesetzt wurde. Dennoch gab es seit der ersten Klimarahmenkonvention einige gute Fortschritte: Das 1997 beschlossene Kyoto-Protokoll ist zum Beispiel bis heute die Grundlage für viele Klimaschützer, da es die ersten verbindlichen Emissionsziele auf internationaler Ebene festgelegt hat – zumindest für Industrienationen. Über viele Jahre haben diese Länder eigene Reduktionsziele verfolgt beziehungsweise über Finanzierungsmechanismen Klimaschutz international gefördert. Die meisten Ziele wurden damit nicht erreicht, wie wir heute wissen. Zudem wurde das Kyoto-Protokoll von einigen entscheidenden Nationen erst gar nicht unterschrieben.

Ebenfalls aus den COP (Conferences of the Parties) hervorgegangen ist die Idee des „Clean Development Mechanism„, kurz CDM. Das ist eine Übereinkunft über internationale Klimaschutzprojekte und deren Finanzierung durch CO2-Zertifikate. Daraus hervorgegangen ist beispielsweise auch der Gold Standard, der bis heute als der strengste und renommierteste aller Qualitätsstandards für CO2-Kompensationsprojekte auf dem freiwilligen Markt gilt und somit die Grundlage für die „Klimaneutralität“ zahlreicher Unternehmen bildet. CO2OL arbeitet mit zahlreichen Gold-Standard-zertifizierten Aufforstungsprojekten zusammen, zum Beispiel mit ForestFinance in Panama.

Nachdem die Folgeregelung für Kyoto lange hat auf sich warten lassen, wurde 2015 mit dem Übereinkommen von Paris ein Durchbruch erzielt, dessen konkrete Umsetzung aber weiterhin auf sich warten lässt. Die Kernidee besteht darin, dass sich wirklich alle Nationen zu selbst formulierten, verbindlichen Klimazielen verpflichten – sowohl Schwellen- und Entwicklungsländer, als auch (zumindest bis jetzt) die großen Emittenten wie China und die USA. Dies ist ein großer Durchbruch, aber bislang gibt es auch noch große Unsicherheiten. Die globalen Klimaschutzmärkte müssen ihre Rolle hier noch finden, die ist noch relativ unklar. Auch ob die gesetzten Ziele der einzelnen Nationen ausreichen, um die angestrebten Effekte wirklich zu realisieren, wird angezweifelt. In Bonn ist also noch viel zu tun. 

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Die Delegationsleiter auf der Klimakonferenz der Vereinten Nationen (COP21), die zur Unterzeichnung des Pariser Abkommens führte. Foto: wikimedia

Welche Themen stehen auf der diesjährigen COP im Zentrum und welche sind für CO2OL besonders relevant?

In erster Linie geht es darum, die in Paris vereinbarten Grundsätze weiter auszugestalten, Finanzierungsmechanismen zu verhandeln und angesichts der jüngsten Entwicklungen leider auch nochmals das Engagement und die Verpflichtung aller relevanten Nationen zu sichern.

Wir werden speziell im Auge behalten, welche Rolle in Zukunft bestimmten Marktmechanismen bei der Umsetzung der Ziele zukommen wird. Werden beispielsweise in Panama Bäume gepflanzt,  kann die positive Klimawirkung über CO2-Märkte aktuell durch deutsche Unternehmen finanziert werden. Wir erwarten, dass ein ähnliches System auch künftig existieren wird, aber angesichts weitreichender nationaler Zielsetzungen kann sich an diesen Strukturen durchaus immer wieder einiges ändern.

Werden Themen wie Waldschutz und Aufforstung eine Rolle spielen?

Mit Sicherheit! Wälder und allgemein die Landnutzung rücken immer wieder in den Fokus, da sie zahlreiche Themen adressieren: Klimaschutz und CO2-Bindung, aber auch Einkommenssicherung, die Anpassung an ein sich wandelndes Klima, nachhaltige Entwicklung und Biodiversität. Auch bei der COP werden zunehmend solche größeren Zusammenhänge adressiert, die auch in den „Sustainable Development Goals“ („Ziele für nachhaltige Entwicklung„) deutlich werden.

Es wird interessant zu beobachten sein, wie Nationen mit großen Waldbeständen und großen Waldverlustraten in Zukunft gemeinsam mit internationalen (politischen und privaten) Finanzierungshilfen interagieren werden. Am Ende kann es nur durch eine breit aufgestellte Anstrengung zahlreicher Akteure gelingen, diese Problem langfristig zu beseitigen.

Welche Rolle spielen Unternehmen – neben Politik und NGOs – für die hier besprochenen Strategien und Klimaziele?

Wenn die bisherigen Klimakonferenzen eines gezeigt haben, dann dass es ohne die privatwirtschaftliche Bereitschaft zum Handeln keine große Hoffnung für bedeutende Erfolge gibt. Bei allen erhofften Fortschritten in der Diplomatie ist es immer auch an der Wirtschaft, sich auf ein echtes Umdenken einzulassen. Dazu zählen durchaus Diskussionsbeiträge zu Mechanismen wie einer wirksamen CO2-Steuer, die konstruktive Umsetzung der politischen Agreements, aber auch eine tatkräftige Eigeninitiative. Von Produktinnovation über die Setzung sogenannter Science-Based-Targets zur Emissionsreduktion: Viele Unternehmen unterschätzen immer noch ihre positive Gestaltungskraft, die sie durch Investitionen, in Wertschöpfungsketten und als Vorbild für ihr Umfeld ausüben können. Beispielsweise scheint der geplante Ausstieg der Trump-Administration aus dem Paris Agreement unterm Strich ein Gewinn für das Klima zu werden, da die dadurch angestoßenen Commitments zahlreicher Unternehmen und lokaler Administrationen ein größeres Potential entwickeln, als es ein politischer Minimalkonsens jemals könnte.

„Bei allen erhofften Fortschritten in der Diplomatie ist es immer auch an der Wirtschaft, sich auf ein echtes Umdenken einzulassen.“

Was erwarten und erhoffen Sie sich von der COP23?

Einerseits hoffen wir natürlich auf die verbindliche Verabschiedung von Maßnahmen, die tatsächlich das Erreichen des 2-Grad-Ziels realistisch werden lassen. Das erfordert sicherlich auch teils unbequeme Beschlüsse, aber die Zeit für halbherzige Kompromisse ist eindeutig vorbei. Aus unserer Sicht hat auch die Wirtschaft zuletzt signalisiert, dass man bereit ist, scharfe Richtungsänderungen mitzutragen. In diesem Zusammenhang erwarten wir ganz entscheidend größtmögliche Planungssicherheit. Nichts ist schwieriger für Unternehmen und die Umsetzung von Klimaschutzprojekten als Unsicherheit darüber, an welche Mechanismen und Regelungen sich künftig orientiert werden kann. Selbst die angesprochenen Einschnitte sind wesentlich weniger problematisch, wenn diese frühzeitig Teil der Zukunftsplanung werden. Vieles funktioniert bereits oder steht in den Startlöchern, unsere Minimalerwartung sind klare Leitplanken um Investitionen in den Klimaschutz planbar zu machen.

 

Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag:

Das Klima – kurz und kompakt. Alles, was Sie vor der COP 23 wissen müssen

Und besuchen Sie unsere Seite, auf der Sie Ihren persönlichen Beitrag zum Klimashcutz leisten können: 

www.Waldschutz-ist-Klimaschutz.de

 

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