Wer nicht hören will

Ein Kommentar von Harry Assenmacher, ForestFinance-Gründer und -Geschäftsführer

Es ist ein Drama mit Ansage. Nein, nicht wegen SARS oder MERS oder weil Politiker ihren eigenen seit Jahren vorliegenden Pandemieplan vergessen hatten. Nicht weil eine führende Industrienation nicht in der Lage war, simple Schutzkleidung für sein knappes Medizinpersonal bereitzustellen. Die Ankündigung dieser Pandemie kam viel früher und aus immer noch nicht laut genug wahrgenommener Richtung: Wir Menschen haben uns den Planeten untertan gemacht. Und schlecht behandelte Untertanen wehren sich eben schon mal.

Harry Assenmacher

Für die Bereiche Umwelt und Klimaschutz ist im Bewusstsein der meisten Menschen inzwischen ein „So geht es nicht weiter“ verankert. Begonnen hat dies vor fast 50 Jahren – mit der Atomkraftthematik. Zunächst war es unser direkter, engerer Lebensraum, die eigene Stadt (Verkehr, Luft, Lärm), dann das eigene Land (Atomkraft, Energieversorgung, Waldsterben, saurer Regen) und seit den 1990ern der ganze Planet (Klimawandel) mit all den Nebeneffekten, die unser „Macht euch den Planeten untertan“ nun mal so hat. Wenigstens kleine Änderungen und Reparaturarbeiten an den Zerstörungen, die wir dem Untertan Erde antaten, kamen immer (!) erst in Gang, wenn wir selbst persönlich betroffen waren. Als die Städte einfach unbelebbar wurden, als Atomkraftwerke ex- oder implodierten, als das Wasser im Sommer knapp und die Temperaturen zu viel wurden.

The Climate is Changing. Schild auf einer Fridays for Future Demonstration.
Das Bewusstsein für Veränderung ist da. Foto: unsplash, Markus Spiske

Und jetzt Corona

Allmählich dämmert vielen in ihren Quarantänequartieren, dass der Untertan Erde noch ganz andere Mittel der Rebellion gegen seine ausbeuterischen Herrenmenschen hat. Den Globus zuzupflastern mit Megametropolen, in denen wir vollklimatisiert, digitalisiert Freizeit und Wohlstand leben. Die letzten Flecken unberührter Haut der Erde (sogenannter Natur) wann immer wir wollen anzufliegen und zu genießen – natürlich möglichst billig und dabei auch noch die letzten Wälder im wahrsten Sinne des Wortes wegfressen für Lifestyle-Küche, Craft-Beer, Gin-Varietäten oder Billig-Fleisch am unteren Ende der Konsumentenkette. Eigentlich wissen wir das doch alle, oder? Trotzdem haben wir unsere Lebens- und damit unsere Wirtschaftsweise nicht geändert. Nein, die Menschheit wird nicht an Covid-19 aussterben, es wird weitergehen. Aber wie? Vielleicht ist dies der letzte fühlbare (!) Hinweis an uns, doch etwas grundsätzlich zu ändern. Also außer eine Impfung zu entwickeln und dann so weiterzumachen wie bisher.

Wir wissen inzwischen, dass die Verbreitung von Krankheitserregern aus der freien Natur auf Menschen, Tiere und Pflanzen bedingt und befördert ist, durch unsere Art zu leben und zu wirtschaften (wobei „unsere Art“ zu leben nur einen kleinen Teil der Menschheit umfasst. Das Paradies der Reichen ist immer noch errichtet aus dem Elend der Armen!).’ Aber biologisch: Biodiversität ist wichtig für unser Überleben. Ein schlichtes „In Ruhe lassen“ von großen Teilen der Erde ist wichtig für unser Überleben. Und: Wir müssen das, was wir für unser Leben benötigen und für die Lust am Leben so erzeugen, dass wir ganz banal den Ast nicht absägen, auf dem wir sitzen. Auch keine neue Erkenntnis. Aber vielleicht hilft uns jetzt das Erfühlen der Corona-Krise nicht nur allgemein zu erkennen, sondern auch zu handeln. Irgendwie durchwursteln bis zur Impfung und dann so weitermachen, wird uns in die nächste, noch größere Krise stürzen – eine Entwicklung die weitergeht bis … ja, bis wohin?

Naturnaher Buchenwald in der Eifel.
Unser Lebensstil rächt sich. Auch Wald muss in Ruhe wachsen dürfen, wie hier in unserem Waldfriedof Rest in Trees in der Eifel. Foto: ForestFinance

Moral ist gut, Taten sind besser

Moralinsaures Beklagen hilft uns nicht weiter. Wir müssen ganz real etwas ändern. Und damit sind wir nicht als Einzelne gefragt. Die Gesellschaft muss beschließen, etwas anders zu machen als bisher. Wenn die Corona-Krise irgendetwas gezeigt hat, dann: Wir können, sogar ganz kurzfristig, überraschenderweise sehr viel ändern. Dinge, die noch vor Wochen politisch und ökonomisch undenkbar waren, sind plötzlich möglich. Sieh an. Vielleicht sollten wir die richtigen Politiker wählen in Zukunft – als erste neue Handlung? Was noch?

ForestFinance als kleines Unternehmen versucht seit einem Vierteljahrhundert anders zu wirtschaften als normal. Wir wollen und wollten schon immer Werte schaffen, die niemandem schaden und möglichst allen nutzen. Das ist Wald, aber auch Forst-Landwirtschaft, die Lebensmittel erzeugt, ohne Leben zu zerstören. Das ist schwierig innerhalb eines rein profitorientierten Systems. Wir können und konnten nicht alles machen, was wir machen wollten. Die Krise jetzt trifft auch uns hart – härter als Großkonzerne, die wesentlich mitverantwortlich sind für die Zerstörung der Erde. Wir werden versuchen, weiter anders zu wirtschaften und hoffen, dass uns viele Menschen dabei unterstützen und begleiten. Wir hoffen auch, dass viele Menschen jetzt anfangen zu handeln. Der Untertan Erde, die Natur, schickt eine deutliche Warnung. Wenn wir jetzt nicht hören, werden wir fühlen müssen.

Harry Assenmacher empfiehlt für ein gründliches Überdenken unserer Wirtschaftssysteme das Buch „Wer schützt die Welt vor den Finanzkonzernen?“ von Jens Berger, erschienen im Westendverlag.

Zum Buch

3 Kommentare zu “Wer nicht hören will

  1. Wie ist denn Forest Finance konkret von Corona betroffen? Ich bin überrascht, dass Sie es zu den stärker betroffenen Unternehmen zählen. Die Investition wurde jedenfalls als relativ krisensicher (Bäume wachsen einfach, bis der Preis wieder stimmt.) beworben.

    1. Antwort von Harry Assenmacher: Da haben die völlig Recht! Die Bäume wachsen ‚einfach‘ weiter und steigern damit auch ihren Wert. Hier ist Corona also auch kein Risiko für den Wald. Aber es sind ja bekanntlich weltweit sehr viele Lieferketten, Logistik und vor allem Handelssysteme und -ströme ausgefallen. Das betrifft nicht nur den Holzhandel. Es sind z.B. Pflege und Erntearbeiten stark betroffen, da unterschiedlich stark ausgeprägt (meist wesentlich strenger als in Deutschland) „Lockup“ für die gesamte Bevölkerung verhängt wurde und Mitarbeiter schlicht nicht das Haus verlassen dürfen. Kakaopflücken im Homeoffice ist z.B. schwierig umzusetzen.

  2. …ich hoffe, daß sich etwas ändert
    ich fürchte, daß sich (wieder) nichts ändert
    es muß sich etwas ändern, jetzt,“ asap“, as soon as possible,/ so schnell wie möglich!
    Der Film „Der grüne Planet“ macht Mut und Hoffnung!

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