Warum Agroforstwirtschaft Mensch und Umwelt gut tut

Unsere Agroforst-Interviewfragen erreichen Dr. Carola Paul in Panama, wo sie die ForestFinance-Forste besucht, auf denen sie vor Jahren eine Studie durchgeführt hat. Ihre Antworten schreibt sie uns auf dem Sprung in Deutschland – sie zieht aus München nach Göttingen, von der Technischen Universität München an die Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie der Georg-August-Universität Göttingen. Wir von ForestFinance sind froh, dass sie uns bei all der Betriebsamkeit als Ansprechpartnerin und Expertin für Agroforst erhalten bleibt.

 

Fürstin Gloria von Thurn und Taxis (links) überreichte Dr. Carola Paul die Auszeichnung für ihre Dissertation „Agroforstliche Möglichkeiten zur Förderung der Wiederaufforstung in Panama – Eine waldbauliche und ökonomische Bewertung“, für die ForestFinance ihr gerne Versuchsflächen zur Verfügung stellte.
Fürstin Gloria von Thurn und Taxis (links) überreichte Dr. Carola Paul die Auszeichnung für ihre Dissertation „Agroforstliche Möglichkeiten zur Förderung der Wiederaufforstung in Panama – Eine waldbauliche und ökonomische Bewertung“, für die ForestFinance ihr gerne Versuchsflächen zur Verfügung stellte. Fürstin Gloria von Thurn und Taxis (links) überreichte Dr. Carola Paul die Auszeichnung für ihre Dissertation „Agroforstliche Möglichkeiten zur Förderung der Wiederaufforstung in Panama – Eine waldbauliche und ökonomische Bewertung“, für die ForestFinance ihr gerne Versuchsflächen zur Verfügung stellte. Foto: Harry Gunz

 

Sie haben zum Thema Agroforst promoviert. Können Sie unseren Leser*innen in erklären, wie Agroforstsysteme funktionieren?

Agroforstsysteme sind Landnutzungssysteme, in denen Bäume mit krautigen Pflanzen oder Tieren kombiniert werden. Dies geschieht normalerweise räumlich, also auf dem gleichen Feld, kann sich aber auch auf eine zeitliche Abfolge beziehen. Die bekanntesten Systeme in Deutschland sind Streuobstwiesen, Viehweiden mit Schattenbäumen oder auch Hecken mit mehrfachen Nutzen. In den Tropen sind Systeme mit Kakao und Kaffee wohl am bekanntesten.

 

2014 haben Sie den renommierten Thurn und Taxis Förderpreis für Ihre Dissertation erhalten. Die Daten dafür haben Sie auf ForestFinance-Flächen gesammelt. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit und was ist Ihre liebste Erinnerung daran?

Ich konnte bereits meine Diplomarbeit in Zusammenarbeit mit ForestFinance anfertigen. Als wir die Idee für die Folgearbeit vorstellten, war ForestFinance wieder bereit, uns die Flächen für die Forschung zur Verfügung zu stellen. Zu meinen liebsten Erinnerungen aus dieser Zeit gehören die mit meinen Freunden in Tortí. Das Dorf hat mich sehr hilfsbereit und liebenswürdig aufgenommen. Ich durfte viel lernen und mit Menschen viel gemeinsam lachen. Daher erinnere ich mich immer sehr gerne – aber auch mit etwas Wehmut – an diese Zeit. Es gelingt mir immer noch, meine Freunde dort zu besuchen – leider nur selten, dafür aber regelmäßig.

 

Carola Paul mit ForestFinance-Mitarbeiter*innen, die sie bei ihrer Arbeit unterstützten. Foto: ForestFinance/Silke Berger
Carola Paul mit ForestFinance-Mitarbeiter*innen, die sie bei ihrer Arbeit unterstützten. Foto: ForestFinance/Silke Berger

 

Was waren die Ergebnisse Ihrer Analyse in den ForestFinance-Forsten?

Wir beschäftigen uns mit der Frage ob ein frühzeitiges Einbringen von landwirtschaftlichen Nutzpflanzen, wie beispielsweise Mais in junge Forstplantagen, die lange Wartezeit bis zu den ersten Erträgen der Bäume verkürzen könnte. Zudem betrachteten wir das System aus forstlicher Perspektive und untersuchten, welche Auswirkungen die landwirtschaftliche Komponente auf das Wachstum der Bäume hat. Meist werden Agroforstsysteme ja eher als Einbringung von Bäumen in landwirtschaftliche Flächen verstanden. Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Bäume nicht in ihrem Wachstum eingeschränkt wurden. Einige Baumarten, insbesondere die einheimischen Baumarten profitierten sogar deutlich. Sie zeigten ein besseres Wachstum und niedrigere Mortalität. Für die sehr wertvolle einheimische Baumart Cedrela odorate konnten wird durch den gleichzeitigen Anbau von Straucherbsen sogar eine deutliche Verringerung des Insektenbefalls erzielen.

Aus ökonomischer Sicht sind insbesondere frühe Rückflüsse für die Vorteilhaftigkeit einer Investition von großer Bedeutung. Die Erlöse aus der Landwirtschaft konnten zwar die Kosten für die forstliche Bewirtschaftung nicht ganz kompensieren, jedoch deutlich abpuffern. Somit lag der langfristige ökonomische Ertrag des Agroforstsystems über dem der reinen Forstplantage. Das System könnte insbesondere für die langsamer wachsenden einheimischen Baumarten ein wichtiges Argument liefern. Die Erweiterung des Produktspektrums führt zudem zu einer Verringerung der finanziellen Risiken.

 

Die Forstwissenschaftlerin 2010 auf der ForestFinance-Finca Playa Chuzo, nahe Tortí. Auf dem Bild zu sehen ist – neben der Forscherin – ein junger Mahagonibaum, in dessen Umfeld sie Straucherbsen gepflanzt hat. Mit dem Wachstum der Pflanzen ist Carola Paul offensichtlich zufrieden. Foto: ForestFinance/Silke Berger
Die Forstwissenschaftlerin 2010 auf der ForestFinance-Finca Playa Chuzo, nahe Tortí. Auf dem Bild zu sehen ist – neben der Forscherin – ein junger Mahagonibaum, in dessen Umfeld sie Straucherbsen gepflanzt hat. Mit dem Wachstum der Pflanzen ist Carola Paul offensichtlich zufrieden. Foto: ForestFinance/Silke Berger

 

Wie bewerten Sie allgemein Agroforstsysteme – im Sinne von Ökologie und Ökonomie?

Agroforstsysteme sind kein Ersatz für natürliche Ökosysteme. Grundsätzlich dürfen Agroforstsysteme kein Anreiz darstellen, natürliche Wälder in solche umzuwandeln. Sie können jedoch eine große Rolle zur Erhöhung verschiedener Ökosystemdienstleistungen – wie zum Beispiel die Regulierung von Wasser und Klima – in landwirtschaftlich geprägten Regionen spielen. Gerade auf degradierten Böden, sind sie besonders relevant um diese langfristig wieder in Nutzung zu bringen. Wir brauchen dringend Lösungen, um unsere Ressourcen zu schonen, aber auch die Ernährung einer steigenden Weltbevölkerung sicher zu stellen. Ich sehe den Wert von Agroforstsystemen in der Reduzierung finanzieller Risiken, insbesondere mit Blick auf extreme Wettereignisse.

 

Dr. Carola Paul 2018 auf „ihren“ ehemaligen Versuchsflächen in Panama. Hier hatte sie vor acht Jahren zwischen den damals noch jungen Setzlingen Getreide und Gemüse angebaut. „Es wurden ja sieben Baumarten gepflanzt, davon Teak und andere einheimische Baumarten. Im Bild sieht man hinter mir Teak und links daneben Amarillo“, erklärt Dr. Paul. Foto: privat
Dr. Carola Paul 2018 auf „ihren“ ehemaligen Versuchsflächen in Panama. Hier hatte sie vor acht Jahren zwischen den damals noch jungen Setzlingen Getreide und Gemüse angebaut. „Es wurden ja sieben Baumarten gepflanzt, davon Teak und andere einheimische Baumarten. Im Bild sieht man hinter mir Teak und links daneben Amarillo“, erklärt Dr. Paul. Foto: privat

 

 

Zum Weiterlesen:

 

Welchen Beitrag könnte Agroforstwirtschaft in der Landwirtschaft weltweit leisten, um Klima und Ressourcen zu schonen und gleichzeitig genug Lebensmittel zu produzieren, um die wachsende Weltbevölkerung zu versorgen?

Agroforstsysteme spielen auf globaler Ebene bereits eine große Rolle. Eine Studie von Robert Zomer und Kollegen des World Agroforestry Centers hat gezeigt, dass 40 Prozent der globalen landwirtschaftlichen Fläche mit Bäumen assoziiert ist und mehr als 900 Millionen Menschen von der Bewirtschaftung solcher Agroforstsysteme abhängen. Ich halte die Erhaltung dieser Systeme und die Intensivierung für eine wichtige Aufgabe. Hierzu benötigt es die richtigen rechtlichen Rahmenbedingungen, finanzielle Anreize und auch ein besseres Verständnis der ökologischen und ökonomischen Zusammenhänge. Eine zentrale Frage ist schließlich, wie die ökonomischen Erträge aus diesen Systemen erhöht werden können. Hier spielen natürlich auch Märkte, und damit das Konsumentenverhalten eine große Rolle.

Wir haben einmal beispielhaft ausgerechnet, dass wenn nur 25 Prozent der global entwaldeten und aktuell nicht genutzten Flächen durch das von uns getestete Taungya-System aufgeforstet würden, könnten zusätzliche Nahrungsmittel in der Größenordnung von 24 Millionen Tonnen Mais pro Jahr produziert werden. Dies ist eine vorsichtige Berechnung, in der wir davon ausgehen, dass nur die ersten drei Jahre landwirtschaftlich genutzt werden und die Flächen nicht gleichzeitig etabliert werden. Dies entspricht etwas weniger als der fünffachen Maisproduktion in Deutschland.

Auch wenn dies global gesehen sicher keine Lösung für eine so enorm steigende Weltbevölkerung darstellt, kann es doch lokal, gerade in ländlichen Räumen, die Grundsicherung deutlich erhöhen. In einem aktuellen Forschungsprojekt in Panama werden wir dieser Frage noch genauer auf den Grund gehen: Können Agroforstsysteme Klima und Ressourcen schützen und gleichzeitig die Bedürfnisse der Landbesitzer erfüllen? Hier wollen wir noch weitere Agroforstsysteme mit einbeziehen und die Analyse auf ganze Landschaften ausweiten.

 

 

 

betreut seit 2008 das Kundenmagazin ForestFinest und sämtliche Printprodukte als Redakteurin und Autorin. Sie schreibt am liebsten über nachhaltig Gutes, das sich für Mensch und Umwelt rechnet.

2 Kommentare zu “Warum Agroforstwirtschaft Mensch und Umwelt gut tut

    1. Wir haben diese Frage an die Agroforst-Expertin Dr. Paul weitergeleitet. Sobald wir ihre Antwort erhalten, veröffentlichen wir sie hier, als Kommentar.

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